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Einmal echter Ritter sein: Besuch auf der Erlebnisburg in Cadolzburg

Besuch auf der Erlebnisburg in Cadolzburg

Über die Cadolzburg gab es viel in den Medien zu lesen. Ein Höhepunkt war dabei natürlich im Juni vergangenen Jahres die offizielle Eröffnung der Burganlage als Erlebnisburg.

Im Museum auf der Burg lockt seitdem die Ausstellung “Herrschaftszeiten”. Wenn man beruflich auf der Burg ist, hat man natürlich wenig Zeit, sich alles in Ruhe anzuschauen. Und ich muss gestehen, Museen zählen nicht zu den Lieblingsorten, die ich gerne besuche. Die Devise lautet schließlich in der Regel “Anfassen verboten”. Die Kuratoren der Ausstellung auf der Cadolzburg werben jedoch mit dem Slogan “Die Burg, die es in sich hat.” Versprochen wird ein modernes Museumskonzept für Jung und Alt, bei dem tatsächlich eine Art Zeitreise ins Mittelalter möglich ist. Na dann: Auf geht´s!

Gespannt stehe ich an einem Sonntag am Eingang der Cadolzburg. Ich sehe es schon kommen: Gleich wird mir eine zweistündige Führung angeboten und es werden langatmige Vorträge eines belesenen Historikers folgen. Doch dem ist nicht so: Die freundliche Frau an der Kasse händigt mir ein Tablet mit Kopfhörern aus. Auf dem Tablet kann ich verschiedene Führungen auswählen, dann weist mir das Tablet den Weg zu den einzelnen Bereichen, wo ich jeweils über die Kopfhörer Wissenswertes erfahre. Weitergehen kann ich, wann immer ich möchte. Es gibt eine kurze und eine längere Führung. Ich entscheide mich aber für die dritte Variante, die ich am genialsten finde: Der völlig freie Weg durch die Burg. Das Tablet erkennt dabei von selbst, wo ich mich gerade befinde und bietet mir Audiovorträge und Hintergrundinformationen dazu an. Natürlich kann man auch ganz ohne Technik durch die Burg laufen und einfach lesen, was auf den Schildern bei den Ausstellungsstücken steht. Auch klassische Führungen werden angeboten.

Während ich die Burg betrete und noch darüber nachdenke, ob an dieser Stelle wohl früher eine Zugbrücke war, höre ich Pferdegetrappel. Meine Fantasie scheint schon mit mir durchzugehen. Jedoch: Die Macher der Ausstellung haben tatsächlich auch Töne in die Ausstellung eingebaut, die ans Mittelalter erinnern. Eine tolle Sache! 1157 wurde Cadolzburg erstmals urkundlich erwähnt. Mitte des 13. Jahrhunderts gelangte die Burg in den Besitz der Burggrafen zu Nürnberg aus der Familie der Ho-henzollern. Im 14./15. Jahrhundert machten die Zollern die Cadolzburg zum Schwerpunkt ihrer Herrschaft in Franken.

Wie das Leben damals auf der Burg wohl wahr? Die Antwort darauf geben die Ausstellungsbereiche auf vier Stockwerken. In der Abteilung Pulverdampf und Beutezug sind verschiedene Rüstungen und Ritterhelme ausgestellt. Ich kann es kaum glauben: “Anprobieren erlaubt” steht daneben. Na, dann wollen wir mal sehen, was ich für einen Ritter abgegeben hätte. Ich probiere einen “Schaller” an, diese Helmform - abgeleitet vom Wort Schale - war im 15. Jahrhundert sehr verbreitet. Der Helm ist ganz schön schwer und die Rüstung ist nicht weniger leicht. Ritter mussten wohl ganz schön sportliche Kerle gewesen sein.

Im Ausstellungsbereich gibt es mehrere Spiegel, so dass man mit dem Handy auch Selfies machen kann. Um mich herum wuseln viele Neu-Ritter, die sich allesamt fotografieren und dann beim eigenen Anblick meist lachen müssen. Dann geht es auf zum Turnier! Mittels 3D-Brillen kann man hoch zu Ross an einem Ritterkampf teilnehmen. An einer Spielstation heißt es dann Treffsicherheit unter Beweis stellen - das ist vor allem ein Spaß für Kinder.

Wer kein Ritter sein will, kann auch einmal Herrscher spielen und den Hut des Markgrafen in einem anderen Bereich der Ausstellung aufsetzen - sieht doch gleich viel besser aus, denke ich mir. Allerdings gibt es gleich einen Dämpfer: An einer Quiz-Station muss ich beantworten, wie die einzelnen Mitglieder des Hofstaates korrekt angesprochen werden. Ich solle an meinem diplomatischen Geschick noch arbeiten, wird mir empfohlen.

Na gut, dann heuer ich eben in der Burgküche an. Ich esse sowieso sehr gerne. Der alte Schlot ist noch erhalten. Mit einem Projektor wird ein Feuer simuliert und darüber dreht sich, ebenfalls mittels Projektion, ein Ochs am Spieß. Das ist toll gemacht! Daneben hängen alte Töpfe. Es riecht sogar nach Braten. Eigens für die Ausstellung wurden spezielle Duftstoffe entwickelt, damit sich die Besucher vorstellen können, wie es damals auf der Burg gerochen hat. Ich bin begeistert. Die Burgküche versorgte damals hunderte Menschen, morgens um vier begannen die Arbeiten. Pro Tag wurden für die Herrschaften 19 verschiedene Gerichte zubereitet. 300 bis 400 Ochsen wurden pro Jahr auf der Cadolzburg verarbeitet. Wer zuhause mittelalterlich kochen will, findet in dem Ausstellungsbereich verschiedene alte Rezepte. Wie wäre es zum Beispiel mit Biberschwanz mit Ingwer? Oder doch lieber Veilchenbrei aus dicker Mandelmilch?

Um 9 Uhr wurde die erste Mahlzeit auf der Burg eingenommen, die zweite dann gegen 17 Uhr. Um 20 Uhr gab es einen Schlaftrunk, ehe es ins Bett ging. Eines der mittelalterlichen Betten befindet sich in der Ausstellung. “Kann man hier übernachten?”, scherzt eine Frau. Nun, übernachten geht zwar nicht, aber probeliegen schon: Denn auch ins Burgbett darf man sich tatsächlich legen. Natürlich probiere ich das gleich aus. So unbequem war das Mittelalter-Bett gar nicht. Einziger Haken: Solche Betten standen nur den höherrangigen Mitgliedern des Hofstaates zur Verfügung. Die Diener mussten auf Strohsäcken schlafen - auch ein solcher steht zum Probeliegen in der Ausstellung bereit.

Ebenfalls anprobieren kann man alte Gewänder und Schuhe. Immer wieder unterhalten spielerische Elemente die Besucher der Burg. Die Zeit vergeht dadurch wie im Flug, Langeweile kommt nicht auf. Der Name Erlebnisburg stimmt wirklich. Sowohl Erwachsene wie auch Kinder und Jugendliche kommen auf ihre Kosten.

Kurz vor Ende meines Rundgangs trage ich mich noch ins Gästebuch der Burg ein. Auch dafür haben sich die Kuratoren wieder eine Besonderheit einfallen lassen, denn es ist ein elektronisches Gästebuch! Mit dem Finger kann ich auf dem Display meinen Text schreiben, danach macht eine kleine Kamera ein Foto von mir. Mein Eintrag ist jetzt für die Nachwelt gespeichert. Bleibt nur noch eine Frage offen: Gab es eigentlich auf der Burg früher auch Toiletten? Kurz vor dem Ausgang wird auch dieses Rätsel gelüftet. Ich höre nämlich ein Furz-Geräusch! Ich gehe der Sache auf dem Grund und entdecke die alte Burgtoilette. Alle paar Sekunden wiederholt sich das Geräusch, das die Ausstellungsbesucher zum Lachen bringt. Die Macher der Ausstellung haben Humor!

Ein toller und einzigartiger Museumsbesuch geht nach gut zwei Stunden zu Ende. Für sieben Euro Eintritt wurde mir eine Menge geboten. Es gibt außerdem ein Kombiticket für zwölf Euro mit dem man die Cadolzburg und die Nürnberger Kaiserburg besichtigen kann. Und das Beste: Für Kinder und Jugendliche unter 18 ist der Eintritt frei!