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LEADER-Projekt “Spuren jüdischen Lebens in Westmittelfranken” gestartet

Zur Auftaktveranstaltung im jüdischen Museum Fürth konnte Landrat Matthias Dießl (Mitte) zahlreiche Gäste begrüßen.

Im Rahmen eines LEADER-Kooperationsprojektes sollen die “Spuren jüdischen Lebens in Westmittelfranken” gebündelt und zugleich ein Bewusstsein für die Vielfalt jüdischen Lebens entwickelt werden.

Der Auftakt erfolgte im jüdischen Museum Fürth. Dazu konnte Landrat Matthias Dießl den stellvertretenden Vorsitzenden der LEADER Aktionsgruppe “Region an der Romantischen Straße”, Johannes Hellenschmidt, die Leiterin des Jüdischen Museums Fürth, Daniela Eisenstein, Vertreterinnen und Vertreter der beteiligten LEADER-Aktionsgruppen sowie Haupt- und Ehrenamtliche, die sich intensiv mit dem Thema befassen, begrüßen. Daniela Eisenstein hielt zugleich einen Fachvortrag zum Thema.

“Das Projekt wird gemeinsam mit den Partnerregionen an der Romantischen Straße, Aischgrund und Hesselberg umgesetzt”, sagte Landrat Matthias Dießl. “Im Zuge des Projektes sollen Zeugnisse der jüdischen Geschichte, wie beispielsweise Synagogen, Schulen, Friedhöfe oder Mikwen zusammengetragen und veröffentlicht werden”, erläuterte der Landrat. Zudem soll ein Netzwerk aus Zeitzeugen und haupt- und ehrenamtlichen Akteuren entstehen, um den Austausch von Wissen und Erfahrungen zu dem Thema zu fördern. “Gemeinsame Veranstaltungen und Exkursionen in die Partnerregionen sind geplant. Das entstandene Netzwerk soll mindestens einmal im Jahr tagen und weitere Ideen entwickeln”, so Johannes Hellenschmidt, dessen Lokale Aktionsgruppe das Projekt federführend betreut.

Die Kosten für das Projekt belaufen sich auf knapp 27 000 Euro. Aus dem EU-Fördertopf LEADER kommen gut 15 000 Euro an Fördermittel. So verbleibt pro LEADER Aktionsgruppe ein Eigenanteil in Höhe von rund 3000 Euro.

Das gewonnene Wissen wird in Form eines Buches mit Bild- und Kartenmaterial anschaulich aufgearbeitet. In weiteren acht Teilprojekten erfolgen Maßnahmen, die das Thema „Spuren jüdischen Lebens in Westmittelfranken“ wissenschaftlich aufarbeiten, zum Teil baulich umsetzen und dem Tourismus sowie der musealen Öffentlichkeitsarbeit in den Regionen dienen.

“Die Spuren Jüdischen Lebens sind heute noch sichtbar, aber nicht sofort ersichtlich”, sagte der Landrat. “Im Gegensatz zum restlichen Bayern lebte die jüdische Gesellschaft durchgehend vom Frühmittelalter bis zum Nationalsozialismus in Franken und Schwaben. Gerade die Zeit vor dem Nationalsozialismus erweitert die Sicht auf das jüdische Erbe.”

Bürgermeister Hellenschmidt betonte: “Heute suchen viele Juden aus der ganzen Welt und insbesondere aus den USA in Mittelfranken ihre Wurzeln - dieses Projekt soll dazu beitragen, die Suche zu erleichtern.”

Die Netzwerkidee „Spuren jüdischen Lebens in Westmittelfranken“ wurde im Rahmen der Publikationsreihe „Franconia Judaica“ erstmals nach außen getragen. Die vom Bezirk veranstaltete Tagung stand unter dem Titel „Juden in Westmittelfranken. Rothenburg – Colmberg – Schopfloch – Bechhofen“. Es wurde deutlich, dass eine Kooperation nötig ist, um das Thema umfassend zu bearbeiten. Anfang 2017 fand dann ein Austauschtreffen mit ehrenamtlichen Akteuren, beteiligten Gemeinden und Institutionen beim Bezirk Mittelfranken in Ansbach statt.

Alle Ergebnisse sollen in einer Broschüre zusammengefasst werden. Der Aufbau der Broschüre sieht vor, in jeder Region etwa 10 Orte jüdischen Lebens genauer vorzustellen. Die „Jüdischen Orte“ - aber auch Exkursionsrouten - sollen schließlich digitalisiert und in Tourenportale integriert werden und an Tourismusstellen weitergeleitet werden.

Eine Fortführung des Netzwerks nach der Projektphase könnte durch das Jüdische Museum in Fürth koordiniert werden. Erste Gespräche haben dazu bereits stattgefunden. Das Projekt soll im Jahr 2020 abgeschlossen sein.