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LEADER-Steuerungskreis beschließt Förderung der ersten beiden Projekte

Kulturhaus in Stein

Mahnmal in Veitsbronn

Ein weiterer Meilenstein zur Umsetzung von Leader im Landkreis Fürth ist erreicht: Der LEADER-Steuerungskreis entschied in seiner jüngsten Sitzung über die Förderung der ersten Projekte.

Unterstützen möchte die Lokale Aktionsgruppe (LAG) das „Kulturhaus des Bezirks Mittelfranken“ in Stein, in das im kommenden Jahr verschiedene Bezirkseinrichtungen einziehen sollen. Die Fertigstellung ist für Ende 2016 geplant.

Das denkmalgeschützte Gebäude aus dem frühen 19. Jahrhundert mit Fachwerk, Kappengewölben und Wandmalereien wird zunächst generalsaniert. Mehrere kulturelle Institutionen des Bezirks sollen in dem Haus unter einem Dach zusammengefasst werden: Die Trachtenforschungs- und -beratungsstelle, das Büro des Fränkischen Sommers und ein Teil der Bezirksheimatpflege. Auch für Besprechungen, öffentliche Veranstaltungen, Ausstellungen, Workshops, Fortbildungen, Trachtenmodenschauen, Näh- und Handarbeitskurse kann das Gebäude genutzt werden.

„Erstmals wird dadurch auch der Landkreis Fürth regelmäßiger Austragungsort für Bezirksveranstaltungen”, betonte Landrat Matthias Dießl. Auch der neue Popularmusikberater soll sein Büro im Kulturhaus bekommen. Er wird künftig vor allem Bildungsangebote für Jugendliche durchführen, etwa die Aufklärung über radikale Musikströmungen.

„Das moderne Thema Musik unter einem Dach mit eher traditionellen Themen wie Trachten und klassischen Konzerten bringt neue Synergien”, ist sich der Landrat sicher.

Das im Innenbereich gelegene, leer stehende Anwesen wird reaktiviert und einer sinnvollen, langfristigen Nutzung zugeführt. Es werden keine zusätzlichen Flächen im Außenbereich in Anspruch genommen und eine weitere Zersiedelung der Landschaft wird vermieden. LEADER-Managerin Anne Kratzer erläuterte:

„Ziel ist es, durch ein Leuchtturmprojekt die Veranstaltungs-, Weiterbildungs- und Tourismusinfrastruktur auszubauen sowie ein Baudenkmal zu erhalten. Mit der Sanierung im innerörtlichen Bestand soll ein Kulturzentrum geschaffen werden, von dem Impulse in die Region und darüber hinaus gehen.“ Die Lokale Aktionsgruppe unterstützt dieses Leuchtturmprojekt mit einem Zuschuss von 200.000 Euro.

Als zweites Projekt soll mit LEADER-Fördermitteln in Veitsbronn zum 70. Jahrestag des Kriegsendes die Errichtung eines „Unterirdischen Mahnmals“ realisiert werden. In den Jahren 1942/1943 wurden im Gemeindegebiet Veitsbronn an mehreren Stellen Erdbunker zum Schutz der Zivilbevölkerung gegen Fliegerbombenangriffe erbaut. Die Anlagen wurden durch die örtliche Bevölkerung in Handarbeit gegraben. Diese Bunker kann man sich als eine Art Bergwerksstollen vorstellen, deren Decke mit starken Rundhölzern abgesichert war. Die wahrscheinlich unverschlossenen Bunker wurden in den 1960er Jahren aus Sicherheitsgründen zugeschüttet und sind heute unzugänglich.

Probegrabungen ergaben, dass sich der Bunker im Auracher Weg in Veitsbronn in einem vergleichsweise guten Zustand befindet. „Da in Veitsbronn wenig historische Bausubstanz erhalten ist, besitzt die Sanierung der Anlage einen großen Wert für den Ort”, veranschaulichte Anne Kratzer, „aber auch für den Landkreis ist die Inwertsetzung einer Bunkeranlage aus dem zweiten Weltkrieg einmalig.“

Der Eingang der Bunkeranlage soll deswegen der Öffentlichkeit als Mahn- und Denkmal zugänglich gemacht werden. Die Besucher sollen zum Verweilen und Nachdenken eingeladen werden. Zunächst muss der Eingang auf einer Länge von drei mal fünf Metern freigeräumt, mit Natursteinen eingefasst und mit einem schmiedeeisernen Tor versehen werden. Geplant ist die Aufstellung einer Informationstafel sowie einer Parkbank vor dem Bunker. Die LAG stellt für das Projekt einen Zuschuss von knapp 25.000 Euro zur Verfügung.

„Wir wollen dadurch Geschichte erlebbar machen”, sagte Matthias Dießl. Zugleich werde ein Ort zur Kommunikation geschaffen. Denn das Mahnmal soll als generationsübergreifender Treffpunkt für Zeitzeugen, Familien und Schulklassen dienen. Um das Thema lebendig aufzuarbeiten, organisiert der Heimat- und Geschichtsverein „Lehrstunden“, Führungen, Mahnwachen und Gedenkfeiern. Die Anlage wird seniorengrecht und barrierefrei zu erreichen sein.

LEADER ist die Abkürzung für „Liaison entre actions de développement de l´économie rurale“ - zu Deutsch: „Aktionen zur Entwicklung der ländlichen Wirtschaft". Dieses Förderinstrument der Europäischen Union gibt es bereits seit Beginn der 90er Jahre. Mit EU-Fördergeldern können modellhafte Projekte bezuschusst werden, um den ländlichen Raum aber auch die Wirtschaft zu stärken. Seit dem 12. März 2015 ist der Landkreis Fürth eine offizielle LEADER Region.
Mehr dazu unter leader.landkreis-fuerth.de