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Marketing mit Tücken: Prinz Charles und Ozzy Osbourne sorgten beim 10. Wirtschaftskreis für staunende Gesichter

Die Teilnehmer der Podiumsdiskussion zusammen mit Landrat Matthias Dießl (2. v. l.)

Rund 100 Gäste verfolgten das Impulsreferat von Prof. Andreas Fürst

Das Thema Marketing stand im Mittelpunkt des jüngsten Wirtschaftskreises im Landkreis Fürth. Dazu konnte Landrat Matthias Dießl rund 100 Gäste aus der regionalen Wirtschaft in den Räumen der BÄKO Franken Oberbayern-Nord eG in Langenzenn begrüßen.

Das Impulsreferat hielt Prof. Andreas Fürst von der Friedrich-Alexander Universität. Er gab einen Überblick über die aktuelle Werbepraxis von Firmen und berücksichtigte dabei besonders die Möglichkeiten für kleinere und mittelständische Unternehmen. Mit seinen Positiv- und Negativbeispielen aus der Praxis erhielten die Gäste jede Menge Tipps.

“Keine unbedingt gute Idee ist es, wenn der Firmenchef das Marketing nebenbei macht”, sagte der Experte. Er gab das Motto aus: “Schuster bleib bei deinen Leisten.” Unternehmer sollten sich auf ihre eigentlichen Kompetenzen konzentrieren und für ein gutes Marketing besser externe Dienstleister beauftragen, wie Texter, Grafiker oder Werbeagenturen.

Wichtig sei es auch, ein klares Werbeziel zu haben. “Viele definieren als Ziele, mehr Umsatz zu machen und mehr Produkte zu verkaufen”, sagte Fürst. Aber das könne gerade für kleinere Betriebe ein Fehler sein. “Zunächst muss eine Firma einmal einen gewissen Bekanntheitsgrad erreicht haben und dann muss ein Kaufwunsch erzeugt werden.”

Das Marketing müsse also weitaus früher oder an anderer Stelle ansetzen. Auch die Zielgruppe sollten sich Unternehmer genau überlegen, riet der Wirtschaftsfachmann. Mit einem humorvollen Beispiel zeigte er auf, was passieren kann, wenn man bei der Auswahl der Zielgruppe falsch vorgeht.

“Viele definieren die Zielgruppe durch Geschlecht, Alter, Familienstand und Einkommen”, sagte Fürst. Er projizierte an die Leinwand zwei Personen, ohne aber zunächst deren Identität zu verraten. Beide sind verheiratet, männlich, 66 Jahre alt, haben ein hohes Einkommen und Kinder.

“Klingt also nach identischen Menschen, die in ein und die selbe Zielgruppe passen”, sagte Fürst. Dann zeigte er, wer sich hinter den beiden Menschen verbirgt: Einmal der englische Thronfolger Prinz Charles sowie der Heavy-Metal-Star Ozzy Osbourne. “Überraschung, die beiden sind wohl doch nicht so gleich, wie es aussah”, meinte Fürst und sorgte für staunende Blicke beim Wirtschaftskreis.

Besser sei es, die Zielgruppe nach Vorlieben oder Hobbys auszuwählen - wenn diese bekannt seien. Weiterhin sollten Unternehmer darauf achten, das richtige Werbemedium zu verwenden, also etwa Tageszeitung oder Google-Werbung, und bei der Gestaltung der Werbemittel humorvoll vorzugehen.

Doch Humor kann Tücken haben! Als Negativbeispiel zeigte Fürst die eigentlich humorvoll gemeinte Werbung eines Bestattungsunternehmens, das auf einem Plakat mit dem Slogan “Treten Sie näher” warb. Das Plakat wurde dann allerdings offenbar versehentlich direkt vor den Gleisen einer U-Bahn Haltestelle aufgehängt. “Darüber lacht dann wohl niemand mehr.”

Landrat Matthias Dießl berichtete, dass auch für den Landkreis Fürth Marketing eine wichtige Rolle spiele. Der Landkreis habe beispielsweise zahlreiche Tourismus- Broschüren aufgelegt, um mehr Naherholungssuchende für den Landkreis zu begeistern.

Der Landkreis beteiligt sich zudem an der Consumenta mit einem eigenen Stand, an dem sich auch die Gemeinden präsentieren können. Viele Informationen seien zudem über die Homepage des Landkreises abrufbar, die stark frequentiert werde.

„Marketing ist für uns wichtig, damit wir weiter als attraktiver Landkreis für Wohnen und Naherholung wahrgenommen werden”, betonte der Landrat. Die Wirtschaftsförderung des Landkreises betreibe zudem ein positives Standort-Marketing. Geplant sei, in Kürze ein eigenes Wirtschaftsmagazin herauszugeben.

Im zweiten Teil des Abends fand eine Podiumsdiskussion statt. Dazu tauschten Fachleute aus der Praxis ihre Erfahrungen zum richtigen Marketing aus: Eberhard Wigner, von „erlebe Wigner“ aus Zirndorf, berichtete, dass er zwar weiterhin Werbung in der klassischen Tageszeitung schalten wolle, aber auch Online-Medien eine immer wichtige Rolle spielten. So plane er, ein kleines Youtube-Studio aufzubauen, um künftig eigene Clips auf der Videoplattform veröffentlichen zu können.

Klaus Lämmlein, Schreiner aus Stein, hielt dagegen wenig von Online- Medien. “Bei uns spielt die Empfehlung durch Kunden die größte Rolle, diese Werbung ist die Beste”, sagte er.

Michael Beyer, Anzeigenleiter der Nordbayerischen Anzeigenverwaltung GmbH, vertrat die Meinung, dass Zeitungswerbung weiter unverzichtbar sei: “Was nützt Werbung bei Google, wenn Sie niemand kennt oder niemand sucht.” Werbung in der Zeitung sei bestens dazu geeignet, den Bekanntheitsgrad zu steigern.

Moderatorin Dr. Christina Stiegler vom Franken-Fernsehen pflichtete Beyer bei. “Das Gleiche gilt für regionale Fernsehwerbung, die gar nicht so teuer ist, wie man vielleicht glaubt.” Sie wies daraufhin, dass auch ihr Unternehmen mittlerweile ins Online-Geschäft eingestiegen sei. So produziere Franken-Fernsehen etwa Clips für Firmen, die dann auf Videoplattformen eingestellt werden könnten.

Zum Abschluss nutzen die Teilnehmer die Möglichkeit zum Erfahrungsaustausch, Kennenlernen und Netzwerken.