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ÖPNV-Umfrage lieferte viele wertvolle Anregungen

Rund 500 Teilnehmer - Sehr konkrete Vorschläge - Wertvolle Tipps für die Nahverkehrsplaner "Wir wissen nun sehr genau, was unsere Bürgerinnen und Bürger im Öffentlichen Personennahverkehr gut finden und was nicht. Unsere große Umfrage vom Dezember 2005 brachte viele interessante Aspekte ans Licht, die es uns ermöglichen, den im Jahr 2000 entworfenen Nahverkehrsplan zu optimieren", erklärte Landrätin Dr. Gabriele Pauli bei der Präsentation der Ergebnisse der Meinungsumfrage "Bus & Bahn im Blick der Bürger". Ende 2005 wurde im Landkreismagazin sowie auf der Homepage des Landkreises Fürth ein Fragebogen zum Thema ÖPNV veröffentlicht. Rund 500 Rücksendungen gingen daraufhin ein, die nun allesamt vom zuständigen Sachgebiet 34 ausgewertet worden sind. Die Antworten gingen aus allen Bereichen des Landkreises ein, auch waren alle Altersgruppen vertreten. 53,2 Prozent der Befragten gaben außerdem an, regelmäßig ÖPNV-Angebote zu nutzen, so dass die Umfrage sehr verlässliche Aussagen lieferte. "Gerade Hinweise von Bürgern, die regelmäßig mit Bus und Bahn fahren, sind besonders wertvoll, weil sie in der Regel sehr konkret sind", so Wolfgang Brunner, Leiter der Abteilung „Öffentliche Sicherheit“ im Landratsamt. Hier einige der wichtigsten Ergebnisse aus der Umfrage: Fahrzweck Ein Großteil der Befragten gab an, die ÖPNV-Angebote zu Einkaufszwecken und im Freizeitbereich zu nutzen, gefolgt von Fahrten zur Arbeit. Sehr häufig wurde außerdem ein Arztbesuch als Grund genannt. Allerdings gibt es hier einen großen Unterschied zwischen den regelmäßigen ÖPNV-Nutzern und den Gelegenheits-Fahrern: Bei den regelmäßigen Nutzern stehen die Fahrten von und zur Arbeit an erster Stelle, bei den nicht regelmäßigen Nutzern sind es die Einkaufs- oder Freizeitfahrten. Qualität Abgefragt wurde auch, wie die Fahrgäste Bus und Bahn generell einstufen. Als Antwortmöglichkeiten gab es: schnell, sicher, umweltfreundlich, bequem, kostengünstig. Die große Mehrheit wählte "umweltfreundlich". Der Punkt „kostengünstig“ landete auf dem letzten Platz. Park+Ride Wie aus der Umfrage hervorging, machen insgesamt wenig Kun-den von den elf P+R-Plätzen im Landkreis Fürth Gebrauch. Aller-dings ist zu berücksichtigen, dass nicht alle Kunden ein Kraftfahr-zeug besitzen und Kfz-Besitzer nicht unbedingt mit dem Pkw zum Bahnhof fahren. Zudem sind die P+R-Plätze im Landkreis sehr unterschiedlich belegt: Die Inanspruchnahme reicht vom ausge-sprochen stark genutzten Platz am Bahnhof Siegelsdorf bis zum nahezu leer stehenden Platz am Haltepunkt Zirndorf/Kneippallee. Daneben hat die Umfrage gezeigt, dass der Begriff „B+R“ (Bike+Ride) nahezu unbekannt ist. Viele Probanden versahen den Begriff mit einem Fragezeichen. Hier wird das Landratsamt noch mehr Aufklärungsarbeit leisten. Probleme Ein Schwerpunkt der Umfrage war die Frage nach Problemen im ÖPNV. Hier konnte frei geantwortet werden, was auch rege genutzt wurde. Die häufigste Kritik gab es zu den Punkten: - Pünktlichkeit (einschließlich Bus- und Zugausfälle) - Anschlüsse - Türmechanismus - Fahrkartenautomaten - Einstiegshöhe - Platzmangel (einschließlich Überfüllung) - Preise (einschließlich Tarifstruktur) - Service Besonders kritisiert wurde die Takt-Frequenz der Buslinien 112 und 113. Bei der Linie 113, die eine weitläufige Fahrstrecke abdeckt, wurde auch der Platzmangel sehr oft vermerkt. Eingefordert wurde von den Teilnehmern der Umfrage aber auch eine größere Rücksichtnahme der Pkw-Nutzer auf den öffentlichen Nahverkehr und eine bessere Beachtung der verkehrsrechtlichen Bestimmungen. Bei der Frage des Platzmangels auf der Linie 113 gerade morgens und mittags konnte bereits durch intensive Beratungen mit dem OVF eine Verbesserung der Situation durch den Einsatz von zusätzlichen Bussen erreicht werden. Bei den Bahnlinien stören sich die Fahrgäste besonders über Unpünktlichkeit oder defekte Fahrkarten-Automaten. Sehr viele Beschwerden gingen zur Linie R7 ein. Aufgabenträger des Schienenverkehrs ist allerdings der Freistaat Bayern, so dass der Landkreis hier nicht direkt tätig werden kann. Ebenso verhält es sich mit der Kritik an den Tarifen. Auch hier hat der Landkreis nahezu keine Einflussmöglichkeit, da das Tarifrecht den Verkehrsunternehmen zusteht. Die Ergebnisse der Umfrage werden jedoch an die entsprechenden Stellen weitergeleitet. "Die Umfrage hat gezeigt, dass ein durchaus großes Interesse bei der Landkreisbevölkerung besteht", so das Fazit von Dr. Gabriele Pauli. Die Fakten werden die tägliche Projektarbeit der Kreisverwaltung erleichtern. So steht die Neuordnung des Busnetzes im nördlichen Landkreis im Raum, mit der eine bessere Vernetzung der nördlichen Landkreisgemeinden untereinander, aber auch mit den anderen Landkreisregionen erreicht werden soll. Diese schon länger diskutierte Umstrukturierung soll auch den Wunsch der Gemeinden nach einer Verbindung nach Herzogenaurach bzw. nach Erlangen einbeziehen. Soweit möglich, werden auch die Anschlüsse der Verkehrsmittel untereinander überprüft und angepasst. Ein weiteres, umfangreiches Aufgabengebiet wird die S-Bahn Ansbach - Nürnberg mit sich bringen. Dabei schlägt das Landratsamt vor, zunächst das Busnetz in Zirndorf und Oberasbach an den Fahrplan der S-Bahn anzupassen. Außerdem wird es erforderlich, Gemeinden und Ortsteile entlang der S-Bahnstrecke mit Busverkehren an die S-Bahn-Halte anzubinden. In diesen Rahmen fällt auch die Überlegung, den Stadtverkehr Zirndorf - Oberasbach auf die Stadt Stein auszudehnen. Angedacht ist dabei eine weite Buslinienführung, die bislang vernachlässigte Ortsteile mit abdecken kann und damit vielen Fahrgastwünschen entgegenkäme. Limitierender Faktor ist jedoch auch die Finanzierbarkeit des Angebotes, da der Landkreis bereits heute ca. 2 Millionen Euro für den ÖPNV aufwendet.