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Raps: “Gufü” geht der Wohlfühloase für Bienen auf den Grund

Seit dem 14. Jahrhundert angepflanzt wird des Raps beim „Gufü“- Termin unter die Lupe genommen

Dr. Peter Pröbstle, Nikolaus Ehnis, Konrad Müller, Bernd Obst, Rainer Tiefel, Matthias Dießl und Günther Engelhardt

Im April verwandeln sie die Äcker in ein gelbes Blütenmeer: Rapspflanzen aus der Familie der Kreuzblütler sind nicht nur schön fürs Auge, sondern erfüllen auch wichtige ökologische Aufgaben.

Darüber informierte sich die Regionalinitiative “Gutes aus dem Fürther Land” zusammen mit Landrat Matthias Dießl und Bürgermeister Bernd Obst bei einem Besuch auf einem Rapsacker in Steinbach bei Cadolzburg.

Neben vielfältigster Ölgewinnung ist Raps auch ein wichtiges Futtermittel. Seit dem 14. Jahrhundert angepflanzt, hat Raps aber auch eine immer größere Bedeutung für die Imker und ihre Bienenvölker. Deshalb gilt die Pflanze als wahres Multitalent unter den Nutzpflanzen.

Nach dem Winter versorgt Raps die Bienen mit Futter und Energie, wie Imker Konrad Müller erläuterte. Denn: “Bienen lieben Raps.” Haben Bienen eine gute Nektarquelle wie etwa Raps gefunden, fliegen sie sie immer wieder an. Imker bezeichnen so eine Quelle als "Tracht". Aus einem Hektar Raps können rund 100 Kilo Honig produziert werden. Aber nicht nur Biene und Imker profitieren vom Raps. Auch wenn der Raps als „Windbestäuber-Pflanze“ ohne Bienen auskommen kann zeigen Untersuchungen der Bieneninstitute Ertragssteigerungen von bis zu 30%, bei gutem Bienenbeflug durch die verbesserte Bestäubung und damit Befruchtung der Rapspflanze.

“Raps ist die bedeutendste Ölfruchtpflanze auf unseren heimischen Äckern”, betonte Nikolaus Ehnis, Pflanzenberater am Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (AELF). Die Rapsanbaufläche im Landkreis Fürth ist seit Jahren leider rückläufig. Nur noch wenige Landwirte „Spezialisten“ nutzen ackerbauliche Vorzüge der Ölpflanze. Der Raps ist die wichtige Blattfrucht in den Ackerbaubetrieben, vor allem in getreidereichen Fruchtfolgen, um Infektionskette mit Pilzkrankheiten im Getreidebau zu unterbrechen. Einen weiteren ackerbaulichen Vorteil bringt die Pflanze durch die tieflockernde Bodenwirkung. Sie ist ein Tiefwurzler mit ausgeprägtem Wurzelsystem, das den Boden gut durchlüftet und über die Pfahlwurzeln Nährstoffe bis aus etwa einem Meter Bodentiefe noch für die Pflanze verwerten kann.

Der Raps gehört zu einer typischen Massen-Tracht für die Honigbienen in Deutschland. Raps wird zur Speiseöl-Gewinnung, als heimische Eiweißfutterpflanze z.B. für Rinderfutter und auch für vielfältige technische Verwendungszwecke angebaut. Das Rapsspeiseöl hat eine sehr gesunde Fettsäuren-Zusammensetzung. Es enthält zu rund 60 Prozent einfach ungesättigte Ölsäure und zu knapp 30 Prozent mehrfach ungesättigte Fettsäuren. Mehrfach ungesättigte Fettsäuren sind lebensnotwendig.

Die Bedeutung der blühenden Rapsflächen nimmt aber auch für Bienen ständig zu, weil alternative Trachtpflanzen gerade zur Rapsblütezeit im Frühjahr selten in der Natur zu finden sind.

Beim Anbau des Raps ist es zudem wichtig zu wissen, dass es sich um eine Intensivkultur handelt, die in der Regel nicht ohne Pflanzenschutz-Maßnahmen mit Insektiziden und Fungiziden während der gesamten Entwicklung angebaut werden kann. Bei Raps kann deshalb eine Behandlung gegen Rapskrebs und Kohlschotenrüssler zur Blütezeit nötig sein. Auch wenn bienenungefährliche Wirkstoffe zum Einsatz kommen, sind diese doch in Pollen, Nektar und Honig nachweisbar. Mit der Ausbringung des Pflanzenschutzmittels im Bestand unterhalb der Blüte kann die Belastung stark verringert werden. Saatgutbeizmittel für Raps und Mais auf der Basis von Neonikotinoiden, die ein Risiko für Bienen bedeuten, dürfen aktuell nicht mehr eingesetzt werden.

Die Gefahr, dass deren Rückstände in den Vorräten und im Erntegut der Bienenvölker wiedergefunden werden, ist also groß. Eine enge Zusammenarbeit zwischen Imkern und Landwirten sei deshalb unerlässlich, erläuterte Dr. Peter Pröbstle, stellvertretender Leiter des AELF. Flächendeckende, für den Imker kostenlose Untersuchungen des Tiergesundheitsdienstes Bayern auf Rückstandsbelastungen von Honig, Wachs und weiteren Bienenprodukten helfen dabei, eventuell auftretende Lücken und Mängel frühzeitig zu erkennen und gegebenenfalls abzustellen.

„Ich freue mich, dass wir hier in Steinbach-Cadolzburg die Möglichkeit für die Betriebsbesichtigung und den fachlichen Austausch haben. Solche Gespräche bringen immer wieder einen großen Mehrwert“, so 1. Bürgermeister Bernd Obst.

Landrat Matthias Dießl bedankte sich für die vielen Informationen rund um den Raps. Es sei immer wieder interessant Themen aus verschiedenen und neuen Perspektiven zu betrachten.

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