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Rund 70 Blühpaten: “Gutes aus dem Fürther Land” informierte sich über Blühfläche in Veitsbronn

Landrat Matthias Dießl (6.v.l.) und Veitsbronns Bürgermeister Marco Kistner (5.v.l.) informieren sich mit der Regionalinitiative “Gutes aus dem Fürther Land“ vor Ort über die Blühfläche.

Über Blühflächen war im Rahmen des Volksbegehrens “Rettet die Bienen” viel in den Medien zu lesen.

Die Landwirtschafts-Familie Müdsam in Veitsbronn animierte dies zu einem besonderen Projekt: Sie boten Blühpatenschaften an. Die Idee ist ein voller Erfolg, schon rund 70 Blühpatenschaften gibt es mittlerweile. Die Regionalinitiative “Gutes aus dem Fürther Land” informierte sich mit Landrat Matthias Dießl und Veitsbronns Bürgermeister Marco Kistner vor Ort über die Blühfläche.

“Blühflächen sind Ackerflächen, die mit artenreichen Mischungen von Blütenpflanzen eingesät werden und für eine Zeit von ein bis fünf Jahren die Landschaft verschönern. Sie sind ein vielfältiger und attraktiver Lebensraum auf Zeit”, erklärte Michael Müdsam. Diese Flächen bieten Tieren Schutz und Nahrung und bilden bunte Farbtupfer in unserer Kulturlandschaft. Sie fördern die Artenvielfalt, sind Rückzugsräume für Pflanzen und Tiere, schützen ganzjährig den Boden, sowie das Oberflächen- und Grundwasser.

Landrat Matthias Dießl sieht Blühpatenschaften als Angebot an die Allgemeinheit: “Dadurch kann jeder etwas für die Artenvielfalt tun, gleichzeitig kommen die Verbraucher mit der Landwirtschaft in Kontakt.” Bürgermeister Marco Kistner freute sich, dass die Blühwiese in seiner Gemeinde entstanden und auf so großes Interesse gestoßen ist. “Blühstreifen am Rand von Äckern bereiten nicht nur den Augen der Be-völkerung und der Bauern selbst eine große Freude, sondern kommen auch bei Bienen, Schmetterlingen und anderen Insekten gut an”, sagt er.

Auf einer bisher konventionell bewirtschafteten Ackerfläche wurde im Frühjahr 2019 die Blühfläche für Insekten aller Art von Familie Müdsam angelegt. Mit einem Beitrag von 50 Euro konnten Bürger Pate für 100 Quadratmeter blühender Bienenweide werden. Im Namen der Paten brachte Familie Müdsam Anfang Mai das Saatgut aus. Die Parzellen konnten auf Wunsch namentlich gekennzeichnet werden.

Bis Ende September verpflichtet sich Familie Müdsam, das Ackerstück weder zu mulchen noch zu mähen. Im Herbst endet die Patenschaft. “Die abgeblühten Pflanzen werden dem Boden zurückgeführt, tragen zur Humusbildung bei und Dünger kann für die Folgefrucht eingespart werden”, so Michael Müdsam.

Neben der Familie Müdsam werden von weiteren Landwirten im Landkreis Fürth Blühflächenpatenschaften angeboten. Auch durch den gemeinnützigen Verein FürthNatur e.V. sind 5.000 m² Blühfläche bei Horbach durch den Landwirt Herbert Engelhardt entstanden, finanziert durch Spenden von Mitbürgern.

Die Kulturlandschaft wird maßgeblich durch die Landwirtschaft geprägt. Die in vielen Jahrtausenden entstandene mannigfaltige Kulturlandschaft hat sich inzwischen stark verändert. Das Nahrungsangebot für Blüten besuchende Insekten wird immer knapper, vor allem ab Juni, wenn die Frühblüher vorbei sind. Blühflächen liefern Nektar und Pollen für Blüten suchende Insekten und bieten Struktur, Deckung und Äsung für Wildtiere in der offenen Feldflur.

“Blühflächen sind eine Ergänzung zur normalen landwirtschaftlichen Bewirtschaftung und der Fruchtfolge bzw. Felderwirtschaft. Bayerns Bauern legten vergangenes Jahr im Rahmen von Agrarumweltprogrammen 15450 ha Blühäcker an, in einem vier Meter breiten Band würde das einmal um den Erdball reichen. Blühflächen sind vor allem dann wertvoll für Tiere, wenn sie mit artenreichem oder kräuterreichem Saatgut eingesät wurden”, betonte der Kreisobmann des Bayerischen Bauernverbandes, Peter Köninger. Es profitieren nach seinen Worten unter anderem Regenwürmer, Spinnen, Bienen, Schwebfliegen, Käfer, Zikaden, Vögel sowie Niederwild, wie Rehe und Hasen. „In der Landwirtschaft gibt es noch andere Kampagnen, wie „Bayern blüht auf“. Und seit 2011 legen in einer gemeinsamen Aktion des Bayerischen Bauernverbandes und des Landesverbandes Bayerischer Imker Jahr für Jahr viele Blühflächen und Blühstreifen an,“ unterstrich Köninger.

Familie Müdsam bewirtschaftet rund 70 Hektar landwirtschaftliche Nutzfläche, davon 50 Hektar Ackerfläche, 15 Hektar Grünland und 5 Hektar Wald. Angebaut werden Weizen, Gerste, Raps, Luzerne und Silomais. Der Betrieb hat 35 Milchkühe mit weiblicher Nachzucht im 2015 errichteten Tretmist-Laufstall. Im Familienbetrieb sind zwei Generationen tätig. Betriebsleiter Michael (47) und Katrin (41) Müdsam mit drei Kindern sowie Erwin (69) und Ursula Müdsam (68). “Einen Teil unserer Milch vermarkten wir direkt in unserem Milchhaus am Automaten rund um die Uhr an sieben Tagen die Woche”, schilderte Katrin Müdsam. Ergänzt wird dies mit hofeigenem Käse, Joghurt und Freiland-Eiern aus dem Hühnermobil.

Die Blühfläche der Familie erstreckt sich auf etwa einem Hektar. Die Idee dazu entstand im Rahmen des Volksbegehrens “Rettet die Bienen”. “Es sollte ein gemeinsames Projekt mit unseren Kunden und Mitbürgern werden, um ins Gespräch zu kommen und auf die Probleme und Chancen der heutigen Landwirtschaft hinweisen zu können”, sagte Michael Müdsam. Es gibt einen monatlichen Rundbrief mit Erklärungen und Bildern rund um die Blühfläche. Dort wachsen jetzt unter anderem Wilde Malve, Borretsch, Koriander, Dill, Mohn, Phacelia, Kamille, Malve und Sonnenblume.

Dass sich diese und andere Anstrengungen für den Umwelt- und Naturschutz lohnen, beweist der aktuelle Bayerische Artenschutzbericht. Demnach sind 80 000 der insgesamt 100 000 in Deutschland heimischen Arten in Bayern daheim. Das bayerische Umweltministerium bestätigt in einem aktuellen Bericht zudem, dass 700 000 Hektar an Kulturlandschaftsflächen ganz besonders zur Biodiversität beitragen. Über das Vertragsnaturschutzprogramm engagieren sich Bauern freiwillig auf weiteren 80 000 Hektar durch besondere Naturschutzmaßnahmen.

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