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Teichwirte hoffen auf gut gewachsene Karpfen

(1. Reihe v.l.n.r.): Landtagsabgeordneter Hans Herold, Landrat Matthias Dießl, Günter Gabsteiger (1. Vorsitzender der Teichgenossenschaft Fürth) und Großhabersdorf Bürgermeister Friedrich Biegel mit Mitgliedern der Regionalinitiative

Bald beginnt die Karpfensaison. Mitglieder der Regionalinitiative “Gutes aus dem Fürther Land” erkundigten sich in Oberreichenbach, wie sich die ausgesetzten Karpfen entwickelt haben.

Die Karpfenerzeugung läuft seit Jahrhunderten im Wesentlichen gleich ab. Karpfen wachsen drei Sommer über und erreichen dann ein Gewicht von 1200-1500 g. Sie sind damit älter als jedes andere landwirtschaftliche Nutztier, das wir verzehren.

„Ich hoffe, dass wir nach dem Sommer möglichst viele Karpfen herausholen können und wenig Verluste hinnehmen müssen“, sagte der Vorsitzende der Teichgenossenschaft Fürth, Günter Gabsteiger. Er spielte damit auf einen der größten Feinde der Karpfen an: dem Kormoran. Der mittelgroße, schwer gebaute Wasservogel ist vor allem wegen seines großen Appetits ein Problem für die Fischerzeuger. „Die Verluste, die wir durch die Kormorane erleiden, bedrohen sogar bei einigen Teichwirte die wirtschaftliche Existenz“, erklärte Gabsteiger.

Landrat Matthias Dießl nannte den Karpfen als eines der wertvollen Produkte auf der „Speisekarte des Fürther Landes“. Der Karpfen sei ein typisches Beispiel für ein regional erzeugtes Lebensmittel mit kurzen Wegen. Vom Zustand der Teiche könne man sich jederzeit überzeugen. Und: Die Teichgenossenschaft Fürth ist ebenfalls Mitglied der Initiative „Gutes aus dem Fürther Land“.

Im westlichen Teil des Landkreises Fürth, in den Gemarkungen von Cadolzburg, Langenzenn und Wilhermsdorf sowie im Aischgrund, wird das Flossentier mit langer Tradition in Karpfenteichen gezüchtet und in den dafür berühmten Karpfengaststätten zubereitet. Die Monate, in denen es Karpfen gibt, sind traditionell die mit einem „R“ im Namen. Wegen der heißen Sommer der vergangenen Jahre hat es sich eingebürgert, die Karpfensaison schon Mitte August einzuläuten. Der Aischgründer Karpfen ist mittlerweile eine EU-geschützte geographische Herkunftsangabe.

Der Fischerzeugerring Mittelfranken unterstützt die Teichwirte mit Rat und Tat. Jahrelange Erfahrung, gestützt auf zahlreiche Untersuchungen der verschiedenen Teichanlagen, ermöglichen den Ringassistenten eine gezielte Beratung in Bezug auf Teichbewirtschaftung und Qualitätserzeugung. Neben den bekannten Untersuchungen, wie z.B. Wasseranalysen, Gesundheits- und Zuwachskontrollen werden auf Wunsch auch praktische Übungen vorgeführt, wie der Gebrauch des Wurfnetzes.

Aus Wasserwirtschaftlicher Sicht ist die Teichwirtschaft in Mittelfranken sehr bedeutsam, wie einige Zahlen verdeutlichen: Bei ca. 8.000 – 10.000 ha Fläche der ca. 20.000 Teiche in Mittelfranken werden bei einer angenommen durchschnittlichen Wassertiefe von 1 m ca. 80 - 100 Mio. m3 Wasser gespeichert. Im Vergleich dazu beträgt der Stauraum im Altmühlsee nur ca. 13,9 Mio. m3 und im Kleinen Brombachsee ca. 12,9 Mio. m3. Karpfenteiche tragen auch zur Gewässergüte bei, verbessern die Wasserqualität und fördern die biologische Selbstreinigung. Bemerkenswert ist dabei auch, dass von den ca. 2.040 Teichwirten, die die Karpfenteiche bewirtschaften außer bei 21 Vollerwerbsbetrieben der landwirtschaftliche Zu- und Nebenerwerb überwiegt. Die Jahresproduktion an Karpfen in Mittelfranken liegt  bei ca. 2500t - 3000t, zusätzlich Schleie ca. 93t, Zander ca. 7t, Hecht ca. 8t.

Der Landrat wünschte den Teichwirten eine erfolgreiche Karpfensaison und den Feinschmeckern immer einen frischen, bekömmlichen Genuss der heimischen Spezialität in den lokalen Gaststätten. Feine Rezepte, wie man den Karpfen selbst zubereiten kann, sind unter www.fischerzeugerring-mittelfranken.de zu finden. Guten Appetit!