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Wildbret und Strahlenbelastung: Neue Messstation in Cadolzburg sorgt für mehr Verbrauchersicherheit

Landrat Matthias Dießl (hintere Reihe links) informierte sich zusammen mit der Regionalinitiative „Gutes aus dem Fürther Land“ über die neue Messstation von Peter Schöner (vorne Mitte).

Fleisch vom heimischen Wild hat seit vielen Jahren einen hervorragenden Ruf als natürliches, regionales und sicheres Lebensmittel.

In Diskussionen taucht jedoch immer wieder die Frage nach der Belastung mit radioaktiven Substanzen wie Radium und Cäsium auf. Seit kurzem finanziert und betreibt die Jägerschaft der Kreisgruppe Fürth im Landkreis Fürth eine sogenannte „qualifizierte Messstation“, die jährlich vom Landesamt für Umwelt überprüft wird. Dort kann das Fleisch von Schwarzwild kontrolliert werden, bevor es in den Handel kommt. Für diese Kontrolle stehen in Bayern als einzigem Bundesland rund 115 Messstationen zur Verfügung.

Der Messstation in Cadolzburg stattete die Regionalinitiative “Gutes aus dem Fürther Land” zusammen mit Landrat Matthias Dießl und dem stellvertretenden Bürgermeister des Marktes Cadolzburg Dr. Georg Krauß einen Besuch ab. Betrieben wird die Messstation von Peter Schöner in Cadolzburg, dem Leiter der Geschäftsstelle der Kreisgruppe.

Die Messstationen in Bayern werden vom Bayerischer Jagdverband mit seinen Kreisgruppen in Eigenregie unterhalten. Fleisch, das mit mehr als 600 Becquerel pro Kilo belastet ist, muss nach den strengen deutschen und europäischen Fleischhygienerichtlinien vernichtet werden. Es ist zum Verzehr nicht mehr geeignet.

“Wildbret kann jetzt mit der neuen Messstelle noch besser überwacht werden”, sagte Landrat Matthias Dießl. Am 13. Juni erfolgte die Überprüfung des Cadolzburger Messgerätes mit einer ausführlichen Unterweisung des Handlungsablaufes durch zwei Beamte des Bayrischen Landesamtes für Umwelt. Die Anerkennung als „Qualifizierte Messstation“ erfolgte unmittelbar danach. “Die Einrichtung der Radium /Cäsium-Messstation ist eine freiwillige Leistung der Jägerschaft, um der Verbrauchersicherheit entgegenzukommen”, erläuterte Erich Reichert, 1. Vorsitzender der Jägerschaft.

Die Verunsicherung der Verbraucher entstehe meist im Spätherbst oder kurz vor Weihnachten durch Meldungen über nach wie vor strahlenbelastetes Wild. “Diese Meldungen sind meist nicht sehr differenziert und pauschal gehalten”, so Reichert. Dass hier nur gewisse Regionen betroffen seien, werde meist nicht erwähnt oder gehe unter, da häufig nur Überschriften gelesen würden. Im Kartenmaterial des Umweltamtes sind die gefährdeten Landkreise ersichtlich - dazu zählen die Oberpfalz, das nordöstliche Oberfranken, Teile Nieder- und Oberbayerns. Mittelfranken gehöre aber nicht dazu.

Im Landkreis Fürth wurden bereits 1986, unmittelbar nach dem GAU in Tschernobyl, Untersuchungen durchgeführt. Dr. Wendenburg, Jäger und Chefradiologe am Klinikum Fürth, führte diese Messungen durch. Allerdings gab es zu dieser Zeit noch keine festgelegten Grenzwerte für Lebensmittel.

“Bei den Stammkunden für Wildbret kommt eher selten die Frage nach Belastung auf”, berichtete Reichert. Jedoch verlangen teilweise Gastwirte und Einzelhändler bei Kauf von Wild zwingend den messtechnischen Nachweis.

Das Fleisch der Wildtiere ist reich an Vitaminen, leicht verdaulich und fettarm. Wildbret hat tatsächlich auch Saison wie Obst und Gemüse, und das Jagdglück muss dem Jäger natürlich auch hold sein. Deshalb ist es empfehlenswert, für einen entsprechenden Vorrat in der eigenen Gefriertruhe zu sorgen. Aufgrund der geringen Fettanteile, der zum Beispiel bei Rehwild rund zwei Prozent beträgt, ist Wildbret tiefgefroren ohne Qualitätseinbußen mehrere Monate haltbar.

Der Landrat dankte Peter Schöner für den Betrieb der Messstelle, die für die Verbrauchersicherheit wichtig sei.

Jeder Jäger, der Wildbret in den Verkehr bringt, ist ein Lebensmittelunternehmer und für die Qualität und gesundheitliche Unbedenklichkeit des „Produktes“ verantwortlich. Der Jäger hat eine Sonderstellung: Er ist bei freilebendem Wild „Fleischkontrolleur“ und -vermarkter in einer Person. Weitere Informationen zu dem Thema gibt es auch beim Jägermarkt am 17. November 2019 im Ortsteil Rütteldorf bei Cadolzburg. Am Markt werden von 11 – 18 Uhr regionale Produkte, Honig und Wissenswertes für Familien und Kinder zum Thema Wald und Wild angeboten.