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Regionalpartnerschaft Shenzhen (China)

Als Chinas "Boomtown" gilt Shenzhen, wo 1980 als marktwirtschaftliches Experiment eine Sonderwirtschaftszone eingerichtet wurde. Aus dem kleinen Küstenort im Schatten von Hongkong wurde in atemberaubender Geschwindigkeit eine wohlhabende Wirtschaftsmetropole mit heute rund 15 Millionen Einwohnern. Mit den dicht an dicht stehenden Wolkenkratzern unterscheidet sich Shenzhen im städtebaulichen Erscheinungsbild kaum von der ehemaligen britischen Kronkolonie Hongkong, und auch wirtschaftlich sind die politisch noch voneinander abgegrenzten Städte zunehmend als einheitliche Region zu sehen. Shenzhen übernimmt dabei immer mehr die der Stadt zugedachte Vorreiterrolle für ganz China: Hier floriert die Marktwirtschaft unter staatlicher Kontrolle, hier zeigt sich das reiche China.

I. Regionalpartnerschaft "ungleicher" Partner

Anschluss an den riesigen, sich rasch entwickelnden Markt in China zu finden, war die Triebfeder für die Städte Nürnberg, Erlangen, Fürth und Schwabach sowie die Landkreise Nürnberger Land, Erlangen-Höchstadt, Fürth und Roth, sich zusammenzuschließen und mit Shenzhen eine Regionalpartnerschaft einzugehen. In die 1997 vereinbarte Partnerschaft bringt die immerhin 1,2 Millionen Einwohner umfassende Region Nürnberg ihre Kompetenzen in den Schlüsseltechnologien Verkehrstechnik, Energie- und Umwelttechnologie, Medizin- und Kommunikationstechnik ein und bietet damit Kooperationsfelder, an denen Unternehmen in Shenzhen stark interessiert sind.

Die äußerlich so ungleichen Partner – hier die von der Silhouette der Nürnberger Kaiserburg überragte Region, dort die Skyline hochmoderner Bürotürme – haben bei näherer Betrachtung also durchaus vielerlei Anknüpfungspunkte für enge Kontakte und Verbindungen. Für Entspannung ist auch gesorgt: Mit der Anlage von Feriendörfern im Umland von Shenzhen hat die Wirtschaftswunderregion auch im Fremdenverkehr gute Karten.

II. Shenzhen auf einen Blick

  • Shenzhen liegt in der südchinesischen Provinz Guangdong, zwölf Millionen Einwohner
  • "junge" Stadt: Durchschnittsalter der Bevölkerung unter 30 Jahre
  • rasant wachsender, attraktiver Wirtschaftsstandort mit Sonderwirtschaftszone, aufstrebendes Fianzzentrum, Börsenplatz
  • sieben (Fach-)Hochschulen und weitere wissenschaftliche Einrichtungen, 570 Berufsschulen sowie viele Berufssbildungszentren für Erwachsene, Asia-Pacific International School
  • attraktive Freizeitparks wie "Splendid China Miniature Park", "Window of the World" und Safari-Park
  • Ausflugsziele mit touristischen Anlagen wie Silbersee, Dameisha und Xiaomeisha-Strand

Shenzhen liegt im südlichen Teil der Provinz Guangdong und grenzt im Süden an die New Territories von Hongkong. Die Provinzhauptstadt Kanton (Guangzhou) ist 140 Kilometer entfernt. Dank der Dapeng-Bucht im Osten und des Perlfluss-Deltas im Westen verfügt die Großstadt über acht Seehäfen. Chinas Vorzeige-Wirtschaftsstandort entwickelt sich zum Hochtechnologiezentrum des Landes: Rund 35 Prozent der Produktion kommt von High-Tech-Unternehmen, die alte Branchen wie Textilindustrie und Maschinenbau ablösen. Bereits jetzt werden die Produkte der chinesischen Informationstechnologie zu 50 Prozent in Shenzhen hergestellt. Auch als Finanzzentrum Südchinas etabliert sich die rasant wachsende Metropole zusehends.

Wolkenkratzer am Fluss

Das Stadtbild ist geprägt von Wolkenkratzern, futuristisch anmutenden Bürokomplexen und anhaltendem Bauboom, Relikte des "alten" China findet man kaum. Überall ist spürbar, dass Shenzhen sich als "grüne Stadt" präsentieren will: Gepflegte Grünanlagen ziehen sich entlang der "Highways", Parks und Golfplätze haben bei der Stadtplanung hohen Stellenwert. Freizeitparks mit folkloristischen Attraktionen, Safari-Park und Botanischer Garten bieten der jungen Bevölkerung Abwechslung und Entspannung vom Arbeitsalltag. Das Durchschnittalter der Einwohner liegt unter 30 Jahren und ist durch einen hohen Akademiker-Anteil gekennzeichnet. Auch als südostchinesisches Tourismuszentrum profiliert sich Shenzhen zunehmend: Die Ferienanlagen am Silbersee und am Xiaomeisha-Strand locken nicht nur Erholungssuchende aus Hongkong in die Region.

Vom Fischerdorf zur Sonderwirtschaftszone

Der Name der Stadt taucht zum ersten Mal während der Ming-Dynastie 1410 auf. Damals war das Gebiet von unzähligen Flüssen und Bächen durchkreuzt, die zur Entwässerung der Reisfelder dienten. Die Stadt Shenzhen ist nach dem größten Fluss benannt, der mitten durch die Stadt verläuft. 

Ursprünglich lag auf dem Gebiet der heutigen Stadt der Kreis Bao'an, dessen Zentrum bis 1979 ein verschlafenes "Fischerdorf" mit nur 30 000 Einwohnern an der Grenze zu Hongkong war. Im März 1979 entschied die Zentralregierung, zusammen mit der Provinzregierung von Guangdong aus dem Kreis eine Stadt mit dem Namen Shenzhen zu machen. Im November des gleichen Jahres erhielt Shenzhen die Stadtrechte und wurde somit direkt der Provinzregierung unterstellt.

Die ideale Lage von Shenzhen am Perlfluss-Delta und an der Grenze zur damaligen britischen Kronkolonie Hongkong war der Grund dafür, dass unter Deng Xiaoping im Mai 1980 die erste Sonderwirtschaftszone Chinas in Shenzhen gebildet wurde. Dengs Parole im Zusammenhang mit der Stadt Shenzhen lautete: "Lasst den Westwind herein. Reichtum ist ruhmvoll". Dies beschrieb sehr treffend das, was in der Stadt in den kommenden Jahren passieren sollte: ein extremer Bauboom, wie er selbst in China selten anzutreffen ist.

Shenzhen profitierte sehr stark von Hongkong und entwickelte sich neben Guangzhou zur größten Stadt im Perlfluss-Delta, das neben dem Beijing-Tianjin-Gebiet und dem Jangtse-Delta als eine der wirtschaftlich bedeutendsten Regionen Chinas angesehen wird. Da in der gesamten Provinz Guangdong viele Unternehmen im produzierenden Gewerbe tätig sind, war die Region die erste, die in den Medien gerne als "Werkbank der Welt" bezeichnet wurde.

III. Shenzhen – Die Partnerschaft

Beim Abschluss der Partnerschaft zwischen Shenzhen und der Region Nürnberg im Jahr 1997 standen zunächst wirtschaftliche Aspekte im Vordergrund. Große und mittlere Unternehmen aus der Region suchten den schnellen und unkomplizierten Kontakt zu einer der am stärksten wachsenden Regionen der Welt. Mittlerweile sind bei der IHK Nürnberg für Mittelfranken rund 400 Unternehmen registriert, die regelmäßig Kontakt zu China haben.

Auch der kulturelle Austausch wächst

Der kulturelle Austausch spielt inzwischen eine ebenso große Rolle. Anlässlich des zehnjährigen Bestehens dieser Partnerschaft im Jahr 2007 konnten gleich mehrere große Projekte realisiert werden: Den Auftakt bildete das Große Chinesische Neujahrskonzert in der Nürnberger Meistersingerhalle, und im Juli lockten traditionelle Tänze und Musik der Shenzhen Dance Company rund 5 000 Zuschauer auf den Hauptmarkt. Den Abschluss des Jubiläumsjahres bildete das Nürnberger Staatstheater, das eine Einladung zum 1. Internationalen Kulturfestival der Partnerstädte in Shenzhen annahm und dort vor einem begeisterten Publikum die Gluck-Oper "Orpheus und Eurydike" zur Aufführung brachte. 
Künstlerinnen und Künstler aus der Region Nürnberg und aus Shenzhen reisen mittlerweile regelmäßig in die jeweilige Partnerstadt, um dort zu arbeiten und um Ausstellungen zu organisieren. Am Hermann-Kesten-Stipendium beteiligen sich Journalisten aus Shenzhen, und im Gegenzug werden Nürnberger Journalisten nach China eingeladen.

Begegnungen und Austauschmaßnahmen zwischen den Hochschulen und zwischen den Krankenhäusern in Nürnberg, Erlangen und Shenzhen haben sich inzwischen ebenso etabliert wie die Teilnahme der IHK Nürnberg für Mittelfranken an der Hightech-Messe in Shenzhen im Herbst. Bei der Kulturindustriemesse in der chinesischen Partnerstadt im Mai nutzt die Metropolregion Nürnberg die Gelegenheit, für die touristischen Attraktionen Frankens und der Oberpfalz zu werben, und bei gegenseitigen Delegationsbesuchen informieren sich die Teilnehmer über Fachthemen wie Umwelt, Energie und Soziales. Ein regelmäßiger Austausch findet auch in den Bereichen Sport, Bildung und Jugend statt.

Auf dem vorweihnachtlichen Markt der Partnerstädte in Nürnberg, der den nahegelegenen Christkindlesmarkt um internationales Flair bereichert, bietet der Shenzhen-Stand landestypische Produkte wie zum Beispiel Tierkreiszeichen, Essstäbchen, Pinsel und Schreibgerät sowie farbig beleuchtete Weihnachtsbäumchen an.

Dank des kontinuierlichen Austausches sind enge Beziehungen entstanden; die Chinesen betrachten die Menschen in der Partnerregion Nürnberg nicht nur als Freunde, sondern als gute "Verwandte".

IV. Shenzhen – Die Anreise

Shenzhens internationaler Flughafen wird von Deutschland aus nicht direkt angeflogen. Alle großen Fluglinien fliegen jedoch täglich von Nürnberg über Frankfurt a. M., Paris, Amsterdam oder Zürich in insgesamt 14 Stunden nach Hongkong. Vom Bahnhof Hongkong fahren in kurzen Abständen Züge und Busse nach Shenzhen (Fahrtdauer etwa 30 Minuten), mit dem Tragflächenboot kann man sich von Hongkong aus zu Shenzhens Hafen Wenjindu bringen lassen.

Für die Einreise nach Shenzhen ist ein Visum für China erforderlich, das am einfachsten über einen privaten Visaservice oder über das Reisebüro beantragt wird.

V. Shenzhen – Die Saison

Shenzhen hat ein subtropisches Meeresklima mit einer Jahresdurchschnittstemperatur von 22,8 Grad und einer Jahresniederschlagsmenge von 1 828 Millimeter. Im Frühjahr und Herbst ist häufig mit tropischen Wirbelstürmen (Taifune) zu rechnen.

Durch die Zeitverschiebung muss man im Sommer sechs Stunden und im Winter sieben Stunden voraus rechnen.

Januar/Februar:
In die Zeit zwischen Ende Januar und Mitte Februar fällt das dreitägige chinesische Neujahrsfest, mit dem das neue Jahr nach dem Mondkalender begrüßt wird. Begangen wird es mit unzähligen Feuerwerken und Knallfröschen, Drachen- und Löwentänzen auf den Straßen und großen Festessen zu Hause. Viele chinesische Arbeitnehmer nutzen jetzt ihren Jahresurlaub, um nach Hause zu fahren. Nach den Neujahrsfeierlichkeiten folgt das Laternenfest, bei dem schöne Lampionausstellungen zu sehen sind.

Mai:
Anlässlich der Feiern zum 1. Mai erhalten Arbeitnehmer freie Tage. Zum Sommerbeginn, gegen Ende Mai, wird mit feucht-fröhlichen Wettrennen das Drachenbootfest gefeiert.

August:
Das Mondfest, auch Mittherbstfest genannt, führt die Verwandten zu einem Festessen zusammen, bei dem als süße Spezialität "Mondkuchen" serviert wird.

Oktober:
Anfang Oktober wird der Gründungstag der Volksrepublik China gefeiert. Viele Büros und Behörden sind dann eine Woche lang geschlossen.

VI. Allgemeine Infos

>> Homepage Shenzhen

>> Shenzhen in Wikipedia

VII. Quelle und weitere Informationen:

Shenzhen – Ansprechpartner

Amt für Internationale Beziehungen der Stadt Nürnberg:
Birgit Birchner
Telefon: 0911 / 231 - 50 27

IHK Nürnberg für Mittelfranken
Armin Siegert
Leiter Geschäftsbereich International
Telefon: 0911 / 13 35 – 397

 

 

Ansprechpartner:

Wirtschaftsförderung
Walter Gieler
Landratsamt Fürth
Im Pinderpark 2
90513 Zirndorf

Tel. 0911/ 97 73 - 10 60
Fax 0911/ 97 73 - 10 61

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