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Initiative “Gutes aus dem Fürther Land” informiert sich über die Umstellung auf Öko-Milch-Erzeugung

Im Bild (v.l.n.r.:) Landrat Matthias Dießl, Helmut und Christa Meyer, Rebekka Meyer, der 1. Bürgermeister des Marktes Cadolzburg Bernd Obst und Horst Krehn, Direktor des Amtes für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (Fürth)

Mitglieder der Regionalinitiative „Gutes aus dem Fürther Land“ haben den landwirtschaftlichen Betrieb von Helmut Meyer im Cadolzburger Ortsteil Steinbach besichtigt.

Der Milchbauer erläuterte, wie er seinen Betrieb von der konventionellen Milchviehhaltung derzeit auf die Öko-Milcherzeugung umstellt. Von Familie Meyer werden rund 70 Hektar landwirtschaftliche Fläche bewirtschaftet - davon sind rund 60 Hektar Ackerfläche und der Rest Dauergrünland. Auf dem Hof befinden sich 60 Milchküche und etwa 65 weibliche Jungrinder einschließlich Kälber. Milchkühe und Jungvieh werden besonders artgerecht in Tretmistlaufställen gehalten, die neu errichtet wurden. Gemolken werden die Kühe in einem modernen Melkstand. „Die Nachfrage nach Bioprodukten nimmt immer mehr zu. Es freut mich, dass wir mit der Familie Meyer einen weiteren Betrieb in unserem Landkreis haben, der auf den gestiegenen Bedarf an Biomilch reagiert und auf Öko-Milcherzeugung umstellt. Damit findet auch ein nachhaltiger Pflanzenanbau statt, der unter ökologischen Gesichtspunkten sehr zu begrüßen ist", betonte Landrat Matthias Dießl. Den Tieren ist ein Auslauf ins Freie als Sommerweide oder als Laufhof zu gewähren. Dem Bewegungsbedürfnis der Kühe wird dadurch Rechnung getragen. Oberster Grundsatz zur Gesunderhaltung der Tiere sind vorbeugende Maßnahmen in der Zucht, Fütterung und Haltung.

Horst Krehn, Direktor des Amtes für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Fürth (AELF), ergänzt: "Durch entsprechende Rassenwahl, möglichst kurze Transportwege zur Schlachtstätte und besonders schonendes Schlachten mit einer ausreichenden Reife erhält der Verbraucher ein besonders zartes und saftiges Fleisch. Sehr gut ist auch die Humusversorgung der Böden." Im Juni 2015 wurde mit der Umstellung des landwirtschaftlichen Betriebes und der Milcherzeugung begonnen - nach den Vorgaben des Öko-Verbandes Naturland e.V. "Die Umstellung auf den ökologischen Landbau dauert mehrere Jahre", erläuterte Helmut Meyer. Der Verband fordert noch zusätzliche Auflagen zu den regulären Öko-Anforderungen. Nach erfolgreicher Umstellung erfolgt ab Januar 2017 der Verkauf der Biomilch an die Naabtaler Milchwerke in Schwarzenfeld.

Öko-Bauern wie Helmut Meyer arbeiten ohne chemisch-synthetische Pflanzen-schutzmittel. Sie fördern die Selbstregulationsmechanismen der Pflanzen und beugen mit einer vielfältigen Fruchtfolge Erkrankungen und einer Verunkrautung vor. Durch den mehrjährigen Anbau von Luzerne oder Kleegras mit mehrfachem Schnitt kann erfolgreich Unkraut unterdrückt werden und gleichzeitig ein hervorragendes eiweißreiches Futter für die Rinderhaltung erzeugt werden.

Die Milcherzeugung ist die wichtigste Einkommensquelle der deutschen Öko-Landwirte und erreicht ein Volumen von über 500 Millionen Litern Milch jährlich. Öko-Bauern ist vor allem die artgerechte Tierhaltung sehr wichtig. Hierzu gehört zum Beispiel die Haltung der Tiere im Laufstall, Weidegang oder ganzjähriger Auslauf, mit sechs Quadratmetern pro Milchkuh ausreichend Stallfläche sowie eigene Fress- und Liegeplätze. Die Tiere werden mit ausschließlich ökologisch erzeugtem Futter gefüttert, das überwiegend aus dem eigenen Betrieb stammt und im Sommer grundsätzlich aus Grünfutter besteht. Die Anzahl der Tiere ist flächengebunden: So wird nicht mehr Mist erzeugt, als Dünger für die Felder gebraucht wird.

Auch beim Futter ist eine lange Vorlaufzeit bei der Umstellung auf dem Hof der Familie Meyer notwendig: Um die Fütterungsanforderungen zu erfüllen, muss das verwendete Futter bereits zwölf Monate vor der Ernte umgestellt sein. Der Einsatz konventionell angebauter Futtermittel ist nicht mehr erlaubt. Neben den Fütterungsanforderungen muss Familie Meyer auch ein halbes Jahr vor Beginn der Öko-Milchanlieferung die Haltungsanforderungen einhalten. Nachdem im Betrieb Meyer die Rinder bereits im Laufstall gehalten werden, waren günstige Voraussetzungen für die Umstellung gegeben. Zur Krankheitsbehandlung der Tiere werden Naturheilverfahren bevorzugt. Es erfolgt kein vorbeugender Einsatz chemisch-synthetischer Medikamente oder von Antibiotika. In Stadt und Landkreis Fürth wirtschaften, laut dem AELF, derzeit 15 landwirtschaftliche Betriebe nach den Kriterien des ökologischen Landbaus. Für die Betriebe ist eine Umstellung interessant, weil seit 2015 eine deutlich verbesserte Förderung des ökologischen Landbaus über das bayerische Kulturlandschaftsprogramm gewährt wird und weil sie für ökologisch erzeugte Milch mehr Geld erhalten. "Derzeit werden rund 21 Cent je Liter höhere Brutto-Verkaufserlöse bei Öko-Milcherzeugung erzielt", berichtete Nikolaus Ehnis vom Fachzentrum Ökologischer Landbau. Dänische Wissenschaftler fanden in Bio-Milch mehr Vitamin E und Beta-Carotin. Milchfett sorgt für Aroma und Vollmundigkeit und enthält gesundheits-förderliche Fettsäuren. Dabei handelt es sich um konjugierte Linolsäuren (Omega-6-Fettsäuren), die im Pansen von Wiederkäuern entstehen, wenn sie Grünfutter fressen (60 Prozent Gras pro Jahr ist bei Bio-Milchkühen vorgeschrieben).

Landrat Matthias Dießl war beeindruckt vom Aufwand, den Öko-Bauern wie die Meyers betreiben, um erstklassige Produkte für die Verbraucher zu produzieren. Er wünschte dem Betrieb weiterhin viel Erfolg.

Die Initiative „Gutes aus dem Fürther Land" hat sich das Ziel gesetzt, ihren Qualitätsanspruch an regionale Produkte umzusetzen und darüber zu informieren.