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Lob von der Bezirksheimatpflegerin: Landkreis Fürth hat kulturell viel zu bieten

Bezirksheimatpflegerin Dr. Andrea M. Kluxen

Stein - Im kommenden Jahr soll das Kulturhaus in Stein eröffnet werden - damit wird es erstmals eine Einrichtung des Bezirks Mittelfranken im Landkreis Fürth geben. Gefördert wird die Sanierung durch das Förderprogramm LEADER.

Verschiedene Bereiche des Bezirks aus dem kulturellen Bereich und der Heimatpflege finden in diesem Haus künftig geeignete Räume. In einer kleinen Serie wollen wir Ihnen diese einzelnen Bereiche vorstellen. Für den ersten Teil der Serie haben wir uns mit Bezirksheimatpflegerin Dr. Andrea M. Kluxen unterhalten. Sie hat uns mehr über das neue Kulturhaus erzählt. Die Bezirksheimatpflege wird im Kulturhaus Stein zugleich Räume erhalten.

Frau Dr. Kluxen, das künftige Kulturhaus in Stein befindet sich im Asbacher Weg. Welche Bereiche des Bezirks Mittelfranken werden dort angesiedelt?
Zum einen wird dort die Trachtenforschungs- und -beratungsstelle des Bezirks mit zwei Büros, Bibliothek, Archiv, Depot und Veranstaltungsräumen einziehen. Zum anderen wird dort auch der Popularmusikberater in Zukunft sein Büro mit Besprechungsraum haben. Der „Fränkische Sommer“ zieht zudem ins Kulturhaus ein, zwar nicht komplett, aber es wird für unser Musikfestival Arbeits-, Besprechungs- und Lagerräume geben. Und schließlich wird das Haus auch durch die Bezirksheimatpflege genutzt - zum Beispiel als Lager für unsere Sonderausstellungen oder für Tagungen und Besprechungen. Mein Büro bleibt aber im Bezirksrathaus in Ansbach. Insgesamt stehen dem Bezirk in dem Haus mehr als 400 Quadratmeter Fläche zur Verfügung. Dort soll dann nicht nur im stillen Kämmerchen gearbeitet werden, sondern auch Beratungen, Ausstellungen, Veranstaltungen wie Workshops, Seminare und Tagungen stattfinden.

Es handelt sich um keinen Neubau, Sie ziehen in ein bestehendes Gebäude ein, das derzeit saniert wird. Was hat es mit der Geschichte dieses Hauses auf sich?
Es handelt sich um ein ehemaliges Wohnstallhaus aus der Zeit um 1800 mit späteren Umbauten, das lange Zeit leer stand und ziemlich verfallen war. Es steht unter Denkmalschutz. Das Haus wurde uns von Steins 1. Bürgermeister Kurt Krömer angeboten. Wir haben es uns angesehen - und dann dachten wir: Ein denkmalgeschütztes Haus, das passt zu uns! Als wir schon alles unter Dach und Fach hatten, ist der Dachstuhl abgebrannt. Er musste neu aufgerichtet werden, deshalb gab es jüngst das Richtfest. Das Haus steht trotz des neuen Dachstuhls aber weiterhin unter Denkmalschutz.

Wann soll das Kulturhaus eröffnet werden?
Nach unserer jetzigen Planung spätestens im April 2017.

Kommen wir konkret zur Bezirksheimatpflege,die wir heute in unserer Serie über die künftigen Mieter des Hausesvorstellen wollen: Welche Aufgabenhaben Sie als Bezirksheimatpflegerin?
Ich berate in allen Bereichen der Regionalkultur, besonders bei Denkmalpflege und Museen – auch unsere eigenen Kultureinrichtungen - ich gebe Stellungnahmen als Träger öffentlicher Belange ab, erforsche und vermittle Regionalgeschichte und Regionalkultur. Die Bezirksheimatpflege führt jährlich eine Denkmalprämierung für herausragend sanierte Denkmäler im Bezirk durch, richtet verschiedene Tagungen aus – zum Beispiel zu Museumsarbeit, jüdischer Geschichte, aber auch für andere regionale Kulturthemen - wir sind Veranstalter des Heimatfilmfestivals in Nürnberg. Vorträge und Workshops zählen ebenso zu meinen Aufgaben wie Publikationen, Teilnahme an Jurys und vieles mehr.

Und das machen Sie alles alleine?
Ich habe ein gut aufgestelltes Team. Meine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter haben unterschiedliche Schwerpunkte. Meine Vertreterin hat Volkskunde studiert und kümmert sich daher um diesen Bereich, wie etwa Bräuche. Im Team gibt es auch einen Archäologen, der für Bodendenkmalpflege und das UNESCO-Welterbe Limes zuständig ist sowie Mitarbeiter, die sich um das Veranstaltungs-Management kümmern. Wir beraten oft Museen und Vereine inhaltlich, konzeptionell und finanziell, also woher man Zuschüsse bekommen kann. Auch vom Bezirk Mittelfranken kann man Unterstützung für Sonderausstellungen, Vereinsarbeit und ähnliches beantragen. Wir haben in Mittelfranken viele Vereine im kulturellen Bereich, von Geschichtsvereinen über Volksmusik, Mundart bis hin zu Trachten. Auch die Gegenwartskultur ist ein Thema der Bezirksheimatpflege, so etwa die Beratung und Unterstützung der vielen Kunstvereine in der Region.

Wie ist denn aus Ihrer Sicht der Landkreis Fürth in Sachen Kultur aufgestellt?
Im Landkreis Fürth gibt es sehr viel Kultur, obwohl es sich um den kleinsten Landkreis im Bezirk Mittelfranken handelt. Das ist schon beachtlich. Ich denke da zum Beispiel an die Klosterhofspiele und Hans- Sachs-Spiele in Langenzenn, die Burgfestspiele in Cadolzburg und die Galerie Destillarta in Roßtal. In Sachen Kultur ist der Landkreis Fürth sehr attraktiv geworden.

Sie haben erwähnt, dass Sie auch in der fränkischen Geschichte forschen. Gibt es aktuelle Projekte?
Wir haben gerade erst das Buch „Fremde in Franken. Migration und Kulturtransfer“ herausgebracht - ein dicker Band, der die Ergebnisse einer wissenschaftlichen Tagung beinhaltet. Auch die jüdische Geschichte ist einer meiner Forschungsschwerpunkte, weshalb ich die Tagungs- und Publikationsreihe „Franconia Judaica“ ins Leben gerufen habe. In wenigen Tagen stellen wir einen neuen Band aus dieser Reihe vor - und zwar die Lebenserinnerung von Pieter Kohnstamm, der zusammen mit seinen Eltern - Juden aus Fürth – währende des Nationalsozialismus nach Amsterdam emigriert ist, und dort Anne Frank kennengelernt hat. Zudem ist der Bezirk Hauptträger des Jüdischen Museums Franken, das derzeit in Fürth erweitert wird und in der Schwabacher Dependance gerade neu aufgestellt wurde. Da gibt es momentan sehr viel zu tun, was mich als Vorsitzende des wissenschaftlichen Beirats des Museum natürlich auch betrifft.

Können sich denn auch Bürgerinnen und Bürger direkt an Sie wenden?
Natürlich. Ein Beispiel der Beratung: Man findet auf dem Dachboden eine alte Vase, einen alten Topf und möchte wissen, ob es sich um etwas Wertvolles oder geschichtlich Relevantes handelt. Sehr oft sind dabei alte Gerätschaften aus der Landwirtschaft oder dem Haushalt wie Dreschfl egel und Nähmaschinen, die es aber meist in de Heimatmuseen im Überfl uss gibt. Vor der Beratung ist eine telefonische Anmeldung unter (0981) 4664 5002 notwendig. Wenn ich selbst nicht weiter weiß, helfen unsere Spezialisten im Fränkischen Freilandmuseum in Bad Windsheim weiter - auch eine Einrichtung des Bezirks.

Ist Heimat denn heute noch etwas, für das sich junge Menschen begeistern? Wir beobachten seit zehn bis 20 Jahren wieder eine verstärkte Hinwendung zum Regionalen. Vielleicht hängt das mit der Globalisierung zusammen: viele suchen wieder die Verbindung zur Region, zu den Wurzeln. Daher kommt wahrscheinlich auch der Hype mit den Dirndln und Lederhosen auf Kirchweihen - obwohl das natürlich keine originale fränkische Tracht ist. Hier geht es mehr um eine Art Gruppengefühl, als um Kleidertradition. Als ich jung war, ging man in Jeans auf die Erlanger Bergkirchweih - das kann man sich heute schon fast nicht mehr trauen…

Frau Dr. Kluxen, vielen Dank für diese Informationen.