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Integrationsarbeit als kommunales Handlungsfeld

In den letzten Jahren gewann das Thema Integration immer mehr an gesellschaftlicher und politischer Bedeutung. Es stellt sich die Frage, wie die Gestaltung von Integration aussehen sollte, damit alle gleichberechtigt am kulturellen, sozialen und wirtschaftlichen Leben teilhaben können. Im Landkreis Fürth gibt es hierfür schon seit mehreren Jahren praktische Erfahrungen in der Integrationsarbeit.

Mit den steigenden Zuwanderungszahlen wachsen jedoch die Angebote im Bereich der Integration und die Herausforderungen an die kommunale Verwaltung. Auch im Landkreis Fürth kann man eine Steigerung der Zuwanderungszahlen erkennen. An den im Folgenden dargestellten Zahlen ist erkennbar, dass dem Bereich der Integrationsarbeit eine wachsende Bedeutung zukommt[1].

Die Gesamtzahl der ausländischen Mitbürger*innen ist im Zeitraum von 2015 bis 2018 von 6764 auf 9191[2] gestiegen (siehe Abb. 1), was einem Zuwachs von 36% entspricht.

Die Geschlechterverteilung der aktuell im Landkreis lebenden ausländischen Mitbürger*innen steht im Verhältnis von 53,6% (männlich) zu 46,4% (weiblich). Die Altersverteilung gestaltet sich wie folgt[3]:


Die aktuellsten Zahlen vom 30.06.2018 des Ausländerzentralregisters zeigen außerdem auf, dass die größte Gruppe der im Landkreis Fürth ansässigen Mitbürger*innen mit ausländischer Staatsangehörigkeit 65% Staatsbürger*innen von EU-Staaten sind, gefolgt von Staatsbürger*innen des restlichen Europas (22%), Asien und Ozeanien (8%), Nord- und Südamerika (4%) sowie Afrika (1%). Abb. 1 zeigt die entsprechende Entwicklung der letzten Jahre auf.

Abb. 1: Entwicklung der ausländischen Bevölkerung im Landkreis 2015-2018 [4]

Die Verteilung der ausländischen Staatsangehörigkeiten der bei uns lebenden Landkreisbewohner*innen ist: Rumänisch (18%), türkisch (11%), italienisch (10%), polnisch (8%), griechisch (5%), sonstige (48%).[5] In Abb. 2 ist die Entwicklung der Zuwanderung aus diesen Ländern in den letzten Jahren zu erkennen.


Abb. 2: Entwicklung der fünf häufigsten ausländischen Staatsangehörigkeiten im Landkreis von 2015-2018 [6]

Die zahlenmäßige Entwicklung der ausländischen Bevölkerung im Zeitraum von 2015-2018 in den einzelnen Landkreisstädten und -gemeinden können den nächsten Abbildungen entnommen werden. Während Abb. 3 die Anzahl der ausländischen Mitbürgerinnen und Mitbürger aufzeigt, ist in Abb. 4 der jeweilige Anteil der ausländischen Bevölkerung dargestellt. Abb. 5 zeigt den jeweiligen prozentualen Zuwachs in den einzelnen Landkreisgemeinden und -städten auf.

Zirndorf hat aufgrund der Ankereinrichtung (früher: zentrale Erstaufnahmeeinrichtung) einen Sonderstatus. Die Zahlen der dort verzeichneten ausländischen Bevölkerung hängen stark vom Weltgeschehen ab. Dies wirkt sich auch auf den Anteil der ausländischen Bevölkerung in Zirndorf aus.

Die Belegungszahlen der Erstaufnahmeeinrichtung waren im Jahr 2015 überdurchschnittlich hoch. Bis 2018 konnte hier wieder ein deutlicher Rückgang verzeichnet werden, der sich in den folgenden Abbildungen widerspiegelt. Um dennoch eine realistische Entwicklung aufzuzeigen wurden die Zahlen von 2014 für Zirndorf als Vergleichswert einbezogen.

Abb. 3: Entwicklung der ausländischen Bevölkerung in den Städten und Gemeinden von 2015/2018 [7]

Die höchste Anzahl ausländischer Mitbürger*innen lebt im Vergleichszeitraum 2015/2018 in Stein, Oberasbach und Zirndorf. Ammerndorf, Obermichelbach und Tuchenbach sind die drei Gemeinden mit der geringsten Anzahl ausländischer Bevölkerung.

Wie in Abbildung 4 zu erkennen, ist der höchste Anteil von ausländischer Bevölkerung in Stein, Zirndorf und Großhabersdorf zu verzeichnen. Den geringsten Anteil ausländischer Mitbürger*innen weisen Tuchenbach, Obermichelbach und Roßtal auf.

Abb. 4: Entwicklungen Ausländeranteil in den Städten und Gemeinden 2015/2018 [8]

Die nachfolgende Abb. 5 zeigt den prozentualen Zuwachs der ausländischen Bevölkerung seit 2015. Der Durchschnittswert für den gesamten Landkreis liegt bei 36% [9].

Erkennbar ist, dass zwei der Städte mit der größten Anzahl der ausländischen Bevölkerung einen unterdurchschnittlichen Zuwachs verzeichnen (Stein und Oberasbach mit jeweils 27%). Gleichzeitig zeigen zwei der Gemeinden mit der geringsten Anzahl von ausländischen Mitbürger*innen einen überdurchschnittlichen Zuwachs auf (Ammerndorf mit 54% und Obermichelbach mit 41%).

Die negative Prozentzahl bei Zirndorf bildet den Rückgang der Bewohner*innen der Ankereinrichtung ab. Der graue Balken zeigt den Zuwachs seit dem Jahr 2014 an, der veranschaulicht, dass auch in Zirndorf insgesamt ein Zuwachs in den letzten Jahren zu verzeichnen ist.


Abb. 5: Prozentualer Zuwachs der ausländischen Bevölkerung in den Städten und Gemeinden von 2015-2018 [10]

Eine gelungene Integration ist für die für alle Landkreisbewohner*innen wichtig für eine gleichberechtigte gesellschaftliche Teilhabe. Der gesellschaftliche Integrationsprozess kann anhand von vier Dimensionen nachvollzogen werden[11].

Strukturelle Integration

Diese beinhaltet den Erwerb von Rechten, die Erfüllung von Pflichten und den gleichberechtigten Zugang in Kernbereiche der Gesellschaft wie beispielsweise Bildungssystem, Arbeitsmarkt, Gesundheitssystem, Wohnungsmarkt oder politische Gemeinschaft.

Soziale Integration

Sie beschreibt den Erwerb der gesellschaftlichen Mitgliedschaft. Sie zeigt sich im privaten Umfeld und sozialen Netzwerken – in Freundeskreisen, Nachbarschaften oder Vereinen.

Kulturelle Integration

Diese umfasst die Annäherung zwischen der Aufnahmegesellschaft und den Zugewanderten. Sie geht mit Veränderungen von Verhalten, Werten, Nomen und Einstellungen durch Austauschprozesse einher.

Identifikatorische Integration

Sie spiegelt die persönlichen Identifikations- und Zugehörigkeitsgefühle wider. Bei Zugewanderten geht es hierbei um das Zugehörigkeitsgefühl und die Identifikation mit lokalen und/oder regionalen Strukturen der Aufnahmegesellschaft sowie grundlegenden Rechtsnormen. Bei der Aufnahmegesellschaft bezeichnet sie die Akzeptanz von Vielfalt in einer sich durch Zuwanderung verändernden Gesellschaft.

 

Im Erarbeitungsprozess des hier vorliegenden Integrationskonzepts wurden alle diese Dimensionen von Integration berücksichtigt und spiegeln sich in den Integrationsleitlinien sowie in den Maßnahmeempfehlungen wider. Das Konzept fasst zentrale Leitlinien und Maßnahmeempfehlungen für ein friedliches Zusammenleben aller Landkreisbewohner*innen zusammen. Der Erarbeitungsprozess war dabei stets so ausgerichtet, dass eine breite Beteiligung aller Bürger*innen möglich war.

Das Integrationskonzept richtet sich an alle Bewohner*innen im Landkreis Fürth. Es ist die Grundlage für eine Bündelung und Transparenzschaffung der Angebote im Bereich der Integrationsarbeit sowie für die Vernetzung der jeweiligen Stellen. Das Konzept ist Ausgangspunkt kommunaler Integrationspolitik und wird umgesetzt durch ein koordinierendes Integrationsmanagement, welches als zentraler Querschnittsbereich angesehen wird.


1) Mögliche Abweichungen in der Gesamt(prozent)zahl der einzelnen Darstellungen sind jeweils durch staatenlose Personen, jene mit einem ungeklärten Aufenthaltsstatus oder Doppel-/Mehrstaatlichkeit zu erklären. Die AZR-Statistiken enthalten u.a. nicht die Zahlen der Asylbewerber*innen der Ankereinrichtung in Zirndorf. Differenzen zwischen den Zahlen der AZR-Statistiken und der gemeldeten Zahlen der Kommunen können sich daraus ergeben.

2) Vgl. AZR-Statistik Landkreis Fürth 30.06.15 und 30.06.18.

3) Vgl. AZR-Statistik Landkreis Fürth 30.06.2018.

4) Vgl. AZR-Statistik Landkreis Fürth jeweils zum Stichtag 30.06. der Jahre 2015, 2016, 2017 und 2018.

5) Vgl. ebd.

6) Vgl. AZR-Statistik Landkreis Fürth jeweils zum Stichtag 30.06. der Jahre 2015, 2016, 2017 und 2018.

7) Darstellung erstellt auf Basis von Auskünften der Einwohnermeldeämter der einzelnen Landkreisgemeinden und -städte (Erhebung Juli 2018). Die Zahl für Zirndorf aus dem Jahr 2014 ist der Bestandsanalyse zur Integrationsarbeit im Landkreis Fürth entnommen.

8) Darstellung erstellt auf Basis von Auskünften der Einwohnermeldeämter der einzelnen Landkreisgemeinden und -städte (Erhebung Juli 2018). Die Zahl für Zirndorf aus dem Jahr 2014 ist der Bestandsanalyse zur Integrationsarbeit im Landkreis Fürth entnommen.

9) Errechnet mithilfe den AZR-Statistiken Landkreis Fürth 30.06.15 und 30.06.18.

10) Darstellung erstellt auf Basis von Auskünften der Einwohnermeldeämter der einzelnen Landkreisgemeinden und -städte und der Bestandsanalyse zur Integrationsarbeit im Landkreis Fürth.

11) Vgl. Heckmann (2007), S. 27-34.