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Naturschutzgebiet Hainberg im Landkreis Fürth in Mittelfranken

Hainberg
Hainberg

Basisdaten: Lage im Raum

Das Naturschutzgebiet Hainberg liegt zwischen den Städten Oberasbach, Stein und Nürnberg, größtenteils im Landkreis Fürth, Freistaat Bayern.

Die ca. 2,13 km² große Fläche wird im Osten von der Rednitz begrenzt und von dem aus Westen kommenden Asbach durchflossen. Das Gelände ist von der Rednitz- und einer höher liegenden Terrasse geprägt und liegt im Mittel auf ca. 300 Meter über N.N.

Der Hainberg ist seit 1995 Naturschutzgebiet und wurde als FFH-Gebiet bereits 1996 an die EU gemeldet.

Ca. 2/5 der Fläche sind bewaldet. Auf den 3/5 Offenlandflächen kommen bayernweit bedeutsame Sandmagerrasenstandorte vor, die durch die Schutzausweisungen erhalten bleiben sollen.

Geologie und Geografie: Dünen- und Flusssande

Vor 10.000 – 20.000 Jahren lag Mittelfranken eisfrei zwischen den beiden Gletschermassiven der nördlichen und südlichen Eiszeiten. Starke westliche Winde und das Wasser der alten Rednitz haben das Hainberggelände damals mit Fluss- und Dünensanden bedeckt. Die so entstandenen sandigen Böden sind trocken und nährstoffarm. Über Jahrtausende entwickelte sich dort ein eichen- und kiefernreicher Wald. Dieser wurde, wie man aus der Geschichte der benachbarten Orte Klein- und Großreuth herleiten kann, gegen Ende des ersten Jahrtausends nach Christi Geburt gerodet.

Die für die Feldwirtschaft schlecht geeigneten Böden wurden überwiegend beweidet. Bis zur Stärkung der Landwirtschaft nach dem zweiten Weltkrieg mit Maschinen, Kunstdünger und chemischer Schädlingsbekämpfung waren größere Gebiete Mittelfrankens von ähnlichen Umständen geprägt.

Der Hainberg liegt in einem räumlichen Verbund weiterer Sandflächen zwischen Pleinfeld im Süden und Bamberg im Norden. Diese „Sandachse“ bietet ein Netz, innerhalb dessen bedrohten Tieren und Pflanzen genetischer Austausch und Wanderbewegungen möglich sind.

Historie: Wallensteins Lager und Militär

1632, mitten im 30-jährigen Krieg, versuchte Wallenstein, der Heerführer der katholischen Liga, die Stadt Nürnberg zu belagern. Dort hatten sich die protestantischen Truppen unter Führung des Schwedenkönigs Gustav-Adolf gesammelt. Die Belagerung misslang und das Heerlager Wallensteins wurde aufgegeben. Die Verteidigungsanlagen, bis zu 80.000 Menschen, mehr als 15.000 Pferde und Vieh verbrauchten alles Grüne und der Hainberg blieb als Wüstenei zurück. Nach Beweidung und ackerbaulichen Versuchen wurde das Gebiet 1896 militärischer Übungsplatz und blieb es mit kurzen Unterbrechungen bis 1994. Wenn scheinbar die Truppen auch bei ihren Übungen die Landschaft belasteten, so wurden doch immer wieder neue und so wichtige offene Sandflächen geschaffen und die Fläche vor Bebauung und moderner Landwirtschaft bewahrt.

Vom Aussterben bedroht

Schlechte Böden und Überweidung, ebenso wie die noch frei mäandrierende Rednitz, hatten früher besonderen Tieren und Pflanzen einen Lebensraum geschaffen. Diese Lebensgemeinschaften sind bestimmt von Pionieren, Lebenskünstlern, die als erste den nackten Sand und armen Boden besiedeln. Diese offenen Böden gibt es heute nur noch selten, denn aus den schlechten Böden der Vergangenheit sind mit den Mitteln der modernen Landwirtschaft nutzbare Äcker oder Wohngebiete, Gewerbeflächen und Straßen geworden.

Der Verlust der natürlichen Lebensräume hat dazu geführt, dass viele Lebewesen selten geworden oder gar vom Aussterben bedroht sind.

Der Hainberg ist deshalb mit seinem sandigen Lebensraum Heimstatt bedrohter Arten und deren Lebensgemeinschaften geworden.

Pflege mit dem Bagger?

Was so widersinnig klingt, erklärt sich doch leicht. Jedes Fleckchen offener Boden bietet den Sandspezialisten aus Tier- und Pflanzenreich wieder Platz zum Überleben. Dort aber, wo die Wiesenflächen saftig grün und dicht werden und mannshohe Hecken fast jeden Wind bremsen, dort sind die Pioniere des Lebens schon längst durch Allerweltsarten verdrängt. Die Abgase unserer Verbrennungsmotoren fallen aus der Luft als Dünger auf die Böden und beschleunigen so noch zusätzlich das Zuwachsen der sandigen Flächen.

Da wir Menschen in unserem Lebensumfeld die gestaltende Kraft der Naturkatastrophen unterbinden, bleibt uns für den Erhalt der Lebensformen, die offene Böden besiedeln, nur die Möglichkeit, diese mit dem Einsatz von Maschinen wiederherzustellen, also Boden aufreißen und Allerweltswiesen abzutragen.

Zukunft der Herkunft

Das NSG Hainberg bietet Tieren und Pflanzen noch Lebensraum, der sonst durch die intensivierte Nutzung unserer Mitwelt verschwunden ist. Von den Entwicklungen moderner Landwirtschaft und Besiedlung durch die militärischen Übungsbetrieb verschont, ist der Hainberg auch Überbleibsel alter vorindustrieller Kulturlandschaft in Mittelfranken. Zum Erhalt dieses Zustandes muss der staatliche Naturschutz zwei Dinge sicherstellen:

  • die Tierwelt braucht in den Vermehrungszeiten störungsfreie Räume
  • zugewachsene Bodenflächen müssen abgetragen werden, damit die vielen Pioniere der Tier- und Pflanzenwelt wieder Platz für ihr Zusammenleben haben

 

Freizeit und Erholung: Nur mit der Natur!

Für viele Bürger unserer Region ist der Hainberg ein beliebtes Naherholungsgebiet. Ein weites Wegenetz bietet gute Möglichkeit für viele Bewegungssportarten. Außerhalb der Brutschutzzeit vom 01. April bis zum 30. Juni können große Teile des Geländes auch abseits der Wege betreten werden. Hunde müssen ganzjährig angeleint sein. Erholung, die auch an der Freude an dieser besonderen Umgebung orientiert ist, wird auf Dauer nur möglich bleiben, wenn die Besucher durch ihre Rücksicht auf die Lebewesen das Schutzgebiet erhalten.

Die bedeutendste Hilfe kommt also von Ihnen, lieber Leser! Denn ohne Ihr Verständnis wird der Hainberg nicht als Perle der Sandgebiete überleben.

Termine für Hainbergführungen - bitte anklicken.

 

 

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Kontakt:

Landratsamt Fürth
Untere Naturschutzbehörde
Im Pinderpark 2
90513 Zirndorf
Tel.: 0911-9773-0
Fax: 0911-9773-1402
E-Mail: naturschutz@lra-fue.bayern.de

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