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Alte Tradition bewahrt: Rechtlergemeinschaft macht Karpfenzucht einfacher

Georg Endreß und Marco Kistner sprechen über die Tradition der Rechtlergemeinschaft und der Teichwirtschaft im Landkreis Fürth.

Nochmal Glück gehabt – diese Karpfen werden erstmal weiter im Weiher schwimmen

Einfach lecker, der Karpfen aus der Region. Hier wurde er zubereitet von Johann Peter aus dem Landhotel und Gasthof Seerose.

Es zeugt von einer funktionierenden Dorfgemeinschaft: Die Anfänge der Horbacher Rechtlergemeinschaft liegen im frühen 19. Jahrhundert. Die „Rechtler“ nutzten und nutzen Weiher im Ort für die Karpfenzucht und teilten sich Arbeit und Ertrag.

Die Initiative “Gutes aus dem Fürther Land” hat sich das Konzept zusammen mit Landrat Matthias Dießl erklären lassen.

Regionalität auf der Speisekarte steht bei den Verbrauchern hoch im Kurs. Der einheimische Karpfen erfüllt genau dieses Kriterium. Vom Weiher bis zum Teller liegen manchmal nur zehn Meter, wie im Fall der Weiher in Horbach. Die Rechtlergemeinschaft verkauft einen Großteil ihrer Fische an den neben den Weihern liegenden Gasthof “Zur Seerose”. Landrat Matthias Dießl betonte vor Ort die Qualität des regionalen Fisches: „Der Karpfen schmeckt nicht nur sehr gut, er ist auch sehr gesund, denn er hat weniger als zehn Prozent Fettanteil. Und mit seinen unterschiedlichen Zubereitungsarten lässt er sich wunderbar in unseren Gasthäusern genießen.“

“Der Karpfen ist eines der besten Beispiele, dass das Gute im wahrsten Sinne vor der eigenen Tür zu finden ist. Aber auch die Bedeutung der Teichwirtschaft für das Landschaftsbild ist keinesfalls zu unterschätzen. Franken wäre mit verlandeten Teichen nicht mehr das Franken, das wir kennen und lieben”, sagte Veitsbronns Bürgermeister Marco Kistner, der 1. Vorsitzender der Teichgenossenschaft Kreis Fürth ist.

Die Teichwirtschaft ist zeitintensiv, deshalb teilen sich die Rechtler die gesamte Arbeit, so dass die Karpfenzucht trotzdem machbar bleibt. “Vom Besatz bis zum Herrichten der Hälterung, über die Kontrolle des Sauerstoffgehalts und der etwaigen Sauerstoffzufuhr bis hin zur regelmäßigen Fütterung mit eigenem Getreide fallen praktisch das ganze Jahr über Aufgaben an. „Dabei werden wir vom Ringassistenten des Fischerzeugerringes unterstützt”, erläuterte Georg Endreß von der Rechtlergemeinschaft.

Es wird angenommen, dass bereits 1808, bei der Gründung der Gemeinde Horbach, einige Höfe ein Gemeinderecht besaßen. Es waren wohl vor allem die größeren Bauern. Sie hatten ein sogenanntes Nutzungsrecht an bestimmten Grundstücken der Gemeinde. Um circa 1888 nutzten diese Rechtler dann auch die restlichen Gemeinde-Grundstücke (Weiher, Weidegrund, Odland). Dafür mussten die Horbacher Rechtler für alle gemeindlichen Bedürfnisse samt Gemeindehaus aufkommen. Man muss bis in das frühe 19. Jahrhundert zurückgehen, um die Anfänge der Horbacher Rechtlergemeinschaft zu ergründen. Auf den gemeindlichen Wiesen, auch Hutungen genannt und Kuhwasen durften alle Gemeindeglieder ihre Tiere weiden lassen. Das waren der Gemeindehirte, größere und kleinere Bauern, die sogenannten Gütler. Der Kuhwasen war die Fläche rechts und links des Weges von Horbach nach Göckershof, die damals noch nicht bewaldet war.

Die ersten größeren wasserbaulichen Maßnahmen erfolgten 1909. Ihre jetzige Form erhielten die Weiher 1958. 1981 erfolgte eine ganzflächige Entlandung aller drei Teiche mit Einbau von Teichmönchen zur Wasserstandsregulierung. Das Gleiche wiederholte sich 1997. Damals wurden auch große Teile der Ufer mit Wasserbausteinen befestigt. Derzeit verteilen sich die 25 Anteile an den Teichen auf 9 Rechtler, die diese seit der Gebietsreform im Eigentum bewirtschaften.

Die Hitze des vergangenen Sommers hatte der Karpfen-Ernte übrigens keinen Abbruch getan. “Karpfen sind relativ robust. Durch die Wärme waren sie sogar aktiver und wuchsen stärker, so dass nicht mehr zu gefüttert werden musste”, so Marco Kistner. Dennoch war es für die Teichwirte eine echte Herausforderung: Irgendwann war es zu viel der Hitze, die Teiche wurden immer wärmer und der Sauerstoffgehalt sank. Die Teichwirte mussten regelmäßig den Sauerstoffgehalt prüfen und im Bedarfsfall die Teiche mit Sauerstoff anreichern, um Erstickungen zu verhindern.

Allein bei der Teichgenossenschaft Landkreis Fürth sind über 100 Teichwirte organisiert, dazu kommen noch knapp 100 Mitglieder der Teichgenossenschaft Cadolzburg und Umgebung sowie einige Teichwirte, die Weiher bei Gemeinden gepachtet haben. Der Karpfen dominiert, aber auch Schleie, Hecht und Zander bevölkern als Beifische die Teiche unserer Region.” Der Kormoran ist für die Teichwirte weiterhin ein regelmäßiges Ärgernis, aber glücklicherweise nicht so extrem wie vor ein paar Jahren, als Verluste von 70 Prozent durch den gefräßigen Vogel eher die Regel als die Ausnahme waren.

Der Bezirk Mittelfranken stellt eine Fachberatung für die Teichwirte seit 1908 zur Verfügung. Sie ist zuständig für alle Belange der Fischerei und steht mit den einschlägigen Behörden und Institutionen in ständigem Kontakt. Im eigenen Wirkungskreis der Bezirke werden vielfältige Beratungen für die Teichwirtschaft und die Angelfischerei vorgenommen. Die Fachberatung ist zuständig für die Durchführung der Fischartenkartierung in Mittelfranken und daraus abgeleiteter Folgeprojekte. Des Weiteren wirkt die Fachberatung mit beim Vollzug von Gesetzen als Sachverständiger, insbesondere beim Fischereigesetz. Zur Förderung der Fischereiwirtschaft unterhält die Fachberatung zudem ein breit gestreutes Kursangebot (Schlacht-, Räucher-, Kochkurse). Sie ist mit Informationsständen auf
vielen Hof- und Fischerfesten vertreten und bietet spezielle Aktionstage für Schulklassen an.

Der Landrat dankte für die interessanten Einblicke und wünschte weiterhin viel Erfolg.

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