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“Ich bin dann mal raus”: Wenn Kinder einfach mal Kind sein wollen, zeigen sie jetzt die “MY TIMEOUT-Card“

Zeit für eine Auszeit? Das geht mit der MY TIMEOUT-Card.

Verstecken, mit Kreide auf der Straße malen, den Bach aufstauen, an etwas tüfteln oder auch einfach mal Nichtstun: Zeit zum freien Spielen oder Träumen ist im Zeitplan von Jugendlichen und Kindern immer seltener vorgesehen.

Der Landkreis Fürth und der Kreisjugendring wollen mit einer bayernweit bislang einmaligen Aktion auf diesen Trend hinweisen und jungen Leuten neben Schule und sonstigen Verpflichtungen (Nachhilfe, Musikunterricht, Training) wieder mehr selbstbestimmte freie Zeit ermöglichen.

Kern der vorgestellten Initiative ist die “MY TIMEOUT-Card” - eine Karte, mit der junge Leute signalisieren können: „Ich will jetzt über meine Zeit selbst bestimmen“. Wie oft und für welche Bereiche die Karte eingesetzt wird, sollen Eltern und andere Erwachsene, zum Beispiel Lehrer oder Erzieher, zusammen mit dem Kind besprechen.

“Grundsätzlich geht es uns darum, Respekt für die Bedürfnisse unserer Kinder und Jugendlichen zu haben.”, verdeutlichte Landrat Matthias Dießl den Hintergrund der ungewöhnlichen Aktion. Selbstbestimmte Freizeit bezeichnete Matthias Dießl bei der Auftaktveranstaltung in der Boulderhalle „Der Steinbock“ in Zirndorf als wertvoll für die Persönlichkeitsentwicklung. Dies schütze die jungen Leute zugleich vor Überlastung. Unterstützt wird die Aktion durch das Leader-Förderprogramm mit circa 7000 Euro sowie durch den Kreisjugendring und den Bezirksjugendring Mittelfranken mit etwa 2500 Euro.

Das Auszeit-Zeichen des Trainers beim American Football oder Basketball ist das visuelle Symbol der Kampagne. Apropos Kommunikation: Über die Initiative und die damit verbundenen Veranstaltungen informiert der Landkreis auf der eigenen website www.mytimeout.de. Die Kampagne gibt es auch auf Instagram und Facebook. Jugendliche ab 14 Jahren können unter dem Hashtag #my_timeout posten, wie sie ihre freie Zeit nutzen.

Bleibt die Frage, wie Kinder und Jugendliche die “MY TIMEOUT-Card”-Karte bekommen? An alle Schüler der 1. bis 10. Klassen, die im Landkreis Fürth die Schule besuchen, wird die Karte über den Klassenleiter verteilt. Aber auch in Jugendhäusern, Rathäusern und anderen zentralen Orten ist sie kostenfrei erhältlich. Außerdem kann die Karte über www.mytimeout.de heruntergeladen und ausgedruckt werden. Die Karte im Scheckkartenformat passt in Hosentasche oder Portemonnaie. Die rote Farbe steht sinnbildlich für die „Rote Karte“ im Sport.

Nach dem Startschuss gibt es eine Reihe von Einzelaktivitäten:

Am 10. April 2018 findet um 18 Uhr an der Grundschule I in Zirndorf ein landkreisweiter Elternabend mit der bekannten Referentin Dr. Christiane Richard-Elsner zum Thema „Draußen spielen! – gesund und selbstbewusst durchs Leben“ statt. Das Kinderspiel im Freien, ohne Anleitung durch Erwachsene, ist ein wichtiges, evolutionär angelegtes Bedürfnis. Diese besonderen Spielerfahrungen bilden einen wichtigen Erfahrungsschatz für das spätere Leben. Die Freiheit im Spiel vermittelt emotionale und praktische Erfahrungen in der Natur und im sozialen Umgang mit den Spielkameraden. Außerdem gilt das kindliche Spiel als eine zentrale Grundlage für den Erwerb schulischer und auch beruflicher Fähigkeiten. “Das Spiel ist damit von entscheidender Bedeutung für die gesamte Persönlichkeitsentwicklung von Kindern”, sagte Landrat Matthias Dießl.

Am 3. Juli (18 Uhr, Sitzungssaal Landratsamt Fürth) steht der Fachtag des Kreisjugendrings mit dem Titel „Keine Zeit für Jugendarbeit“ auf dem Programm. Der bekannte Co-Autor der Shell-Jugendstudie Ingo Leven wird in diesem Rahmen interessante Fakten zum Zeitbudget unserer jungen Leute darstellen und diese mit den Auswirkungen auf unsere Jugendarbeit verbinden.

Vom 17. September bis 28. September findet die Aktion “Zu Fuß zur Schule” statt. Für viele Eltern, die ihre Kinder mit dem Auto zur Schule bringen, gehören Zeitdruck, Hektik und Stau zum Alltag. Durch weniger Verkehr vor der Schule erhöht sich auch die Sicherheit im Straßenverkehr für unsere Kinder. Schulen und Eltern(beiräte), die sich an dieser Aktion beteiligen möchten, finden nähere Informationen unter www.zu-fuss-zur-schule.de

Bei einer Veranstaltung am 16. Oktober (ab 14 Uhr) im Sitzungssaal des Landratsamts Fürth wird Fachkräften aus Schulen und Jugendarbeit, aber auch allen Interessierten erläutert, wie Kindern und Jugendlichen pädagogisch vertretbar und rechtlich sicher mehr Freiraum eingeräumt werden kann.

Im Herbst 2018 ist außerdem in Langenzenn ein Austausch zwischen Eltern- und Schülervertretern sowie Lehrern und Fachkräften aus Horten und Jugendarbeit geplant. Auch hier geht es um die Frage, wer modellhaft in Langenzenn welchen Beitrag dazu leisten kann, dass unsere Kinder und Jugendlichen wieder mehr selbstbestimmte freie Zeit bzw. Freiräume erhalten.

Hier der Bericht des br in der Frankenschau vom 08.03.2018: https://www.youtube.com/watch?v=anri1B3wrxY&sns=fb

 

 

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