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» Es ist mir wichtig, dass sich alle Generationen in unserem schönen Landkreis wohlfühlen und er auch in Zukunft weiterhin für alle Bewohnerinnen und Bewohner attraktiv bleibt - dafür setze ich mich ein! «

Interview mit Landrat Matthias Dießl zum 10-jährigen Dienstjubiläum

Landrat Matthias Dießl ist seit dem 1. Mai zehn Jahre im Amt. Seit 2008 hat sich sehr viel im Landkreis und den 14 Gemeinden getan. Wir haben mit Matthias Dießl gesprochen, was ihn antreibt, Politik zu machen und was ihm dabei besonders wichtig ist.

Herr Landrat, was war Ihre erste große Entscheidung nach der Vereidigung vor zehn Jahren?

Das war die Entscheidung über eine zweite Realschule im Landkreis Fürth. In den Jahren zuvor hieß es immer, dass sei nicht möglich. Wir haben es dann aber doch geschafft. Zu Gute kam uns dabei sicher, dass der Freistaat das Kooperationsmodell eingeführt hat und wir in Kooperation mit der Mittelschule in Langenzenn eine zweite Realschule etablieren konnten. Mittlerweile ist die neue Schule dreizügig, hat ein eigenes Gebäude und es wurden schon mehrere Klassen zum Abschluss geführt. Die Schule hat sich sehr gut entwickelt und ist wichtig für den Landkreis.

Wie haben sich die anderen Landkreisschulen aus Ihrer Sicht in den zehn Jahren entwickelt?

Wir haben sehr viel Geld in unsere Schulen investiert. Das ist mir und dem Kreistag auch sehr wichtig. So wurde das Gymnasium Oberasbach energetisch generalsaniert. Auch die Förderschule in Cadolzburg wurde energetisch saniert, als nächstes folgt die umfangreiche Sanierung des Gymnasiums Stein. Alle unsere Schulen sind mit Mensen ausgestattet, an der Realschule Zirndorf läuft gerade der Anbau. Wir investieren nicht nur in die Gebäude, sondern auch in die Ausstattung und geben in den kommenden drei Jahren über eine Million Euro für Multimedia- Boards aus, die die klassischen Kreidetafeln ersetzen. Die Landwirtschaftsschule in Fürth, für die wir Sachaufwandsträger sind, haben wir saniert.

Wir haben den Schulstandort Landkreis Fürth sehr gestärkt und sind Bildungsregion geworden. Aktuell steigen die Schülerzahlen wieder an. Ab dem Jahr 2020 werden wir uns mit der weiteren Schulentwicklung intensiv auseinandersetzen müssen. Das stellt uns vor neue Aufgaben. Als nächstes werden wir uns dann sicher auch die Turnhallen anschauen müssen. Da wird es meiner Meinung nach noch Sanierungsbedarf geben.

Eine andere erste Amtshandlung war die Einführung einer eigenen Seniorenbeauftragten - Warum lag Ihnen das sehr am Herzen?

Mir war es wichtig, dass unsere Senioren und auch die Seniorenverbände einen zentralen Ansprechpartner im Amt haben. Wir haben am Anfang meiner Amtszeit auch erstmals ein seniorenpolitisches Gesamtkonzept erarbeitet sowie eine Seniorenbefragung durchgeführt, um den Bedarf unserer Senioren zu ermitteln.

Konzeptionelle Arbeit ist hier wichtig. Es bringt nichts, erst zu handeln, wenn es Auffälligkeiten gibt. Man muss Maßnahmen definieren und auch konsequent umsetzen. Das ist uns beim seniorenpolitischen Gesamtkonzept sehr gut gelungen, der größte Teil des ersten Konzeptes wurde umgesetzt, mittlerweile planen wir die Fortschreibung. Das Miteinander mit den Gemeinden - gerade im sozialen Bereich - liegt mir ebenso am Herzen. Denn nur zusammen kann man gute Lösungen erarbeiten.

Wo war die Zusammenarbeit mit den Gemeinden darüber hinaus besonders wichtig?

Zum Beispiel beim Betreuungsangebot für Kinder unter drei Jahren. Zu Beginn meiner Amtszeit wurde der Rechtsanspruch für die U3-Betreuung eingeführt. Das hat unsere Gemeinden vor große Herausforderungen gestellt. Gemeinsam haben wir es aber geschafft: Es wurden viele neue Betreuungseinrichtungen geschaffen. Dadurch hat der Landkreis als familienfreundlicher Standort extrem gewonnen.

Das hat sicher auch dazu geführt, dass der Landkreis weiterhin eine Zuzugsregion ist?

Sicherlich. Mir geht es aber nicht darum, um jeden Preis zu wachsen. Eine gesunde Entwicklung ist wichtig. Die Menschen vor Ort sollen hier eine gute Zukunft haben. Das bringt einen gewissen Zuzug mit sich.

Bei Zuzug denkt man auch an Zuwanderung. War dies der Grund, weshalb der Landkreis nun ein Integrationskonzept erstellt?

Bei Zuwanderung und Integration denkt man meistens zuallererst an Flüchtlinge. Bei uns sind es aber überwiegend EU-Bürger, die zuwandern oder sich einbürgern lassen. Damit sie Landkreismagazin 9.2018 5 hier gut ankommen und auch Teil unserer Gesellschaft und Gemeinschaft werden, ist ein Integrationskonzept wichtig. Darum haben wir als einer der ersten Landkreise in Bayern eine Stelle für eine eigene Integrationsbeauftragte geschaffen. Zudem haben wir die jetzt jährlich stattfindende Einbürgerungsfeier auf den Weg gebracht.

Auch ehrenamtliches Engagement wird seit einigen Jahren mit dem Ehrenabend gewürdigt - warum ist Ihnen das wichtig?

Ehrenamtliche setzen sich oft jahrzehntelang in den unterschiedlichsten Bereichen ein. Mir ist es wichtig, diesen Menschen Danke zu sagen und diesen Einsatz auch anzuerkennen. Deshalb wurden der Ehrenamtsabend und die Ehrenamtskarte eingeführt. Wir haben nicht nur die altgedienten Ehrenamtler im Fokus, als „Junger Held“ und „Stiller Held“ werden auch junge Menschen und Menschen, die eher im Verborgenen tätig sind, gewürdigt. Menschen machen einen Landkreis aus. Sie sind das Wichtigste. Genau dafür mache ich Politik - damit es den Menschen gut geht und wir eine Zukunftsregion sind.

In Ihrer Amtszeit wurde der Landkreis Fürth als fahrradfreundlicher Landkreis ausgezeichnet. Was war der Grund, das Thema Radfahren in den Mittelpunkt zu rücken?

Wir müssen beim Thema Mobilität umdenken. Dabei will ich aber niemandem Vorschriften machen. Es geht mir darum, Anreize zu schaffen, zum Beispiel vom Auto aufs Rad oder auf öffentliche Verkehrsmittel umzusteigen. Deshalb bauen wir immer wieder neue Radwege und optimieren mit Millionenaufwand unser Buskonzept. Die Busse sind barrierefrei und einige haben bereits WLAN kostenlos an Bord. Gerade sind die Kommunen dabei, Bushaltestellen barrierefrei umzubauen. In Kürze gibt es an Bahnhöfen elektronische Anzeigetafeln, die die Abfahrtszeiten der nächsten Busse anzeigen. Die Nightliner fahren in alle Orte. Bald werden die Tarifzonen erheblich vereinfacht. Außerdem ist ein Radschnellweg für Pendler in Planung. Wir wollen den Anteil der Fahrradfahrer verdoppeln.

Wie steht es um die Wirtschaft im Landkreis Fürth, die ja ein wichtiger Steuerzahler ist?

Wir sind als Landkreis nicht direkt für die Gewerbegebiete zuständig. Das ist Sache der Gemeinden. Aber: In den Gewerbegebieten ist kaum mehr Platz. Unternehmen siedeln sich gerne bei uns an. Ich habe die Wirtschaftsförderung wieder gestärkt und mit Walter Gieler einen eigenen Wirtschaftsförderer installiert. Er berät die Gemeinden aber auch Firmen. Daraus haben sich das Regionalmanagement und die LEADER-Förderung entwickelt.

Das Regionalmanagement hat wesentlich dazu beigetragen, den Landkreis noch attraktiver zu machen und ihm ein starkes Profil zu geben. Durch die EU-Förderung LEADER konnten Projekte realisiert werden, die es sonst wahrscheinlich nicht in der Form gäbe. Etwa das FabLab in Veitsbronn, den Kunstweg in Ammerndorf, das Projekt „MyTimeout“ für mehr Freizeit von Kindern oder auch das Projekt „draußenSein“. Auch viele Kleinprojekte konnten bezuschusst werden. Regionalmanagement und LEADER sollen auf jeden Fall fortgesetzt werden
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Wird der Landkreis dadurch heute auch überregional mehr wahrgenommen als früher?

Ja, auf jeden Fall. Der Landkreis hat sich als Freizeit- und Tourismusstandort etabliert. Das bringt Wirtschaftskraft in die Region - es profitieren Handel und Gastgewerbe. Private Einrichtungen haben sich angesiedelt, wie der Kletterwald in Weiherhof, die Boulderhalle in Zirndorf oder die Carrera World in Oberasbach. Der Playmobil FunPark und das Palm Beach sind natürlich starke Aushängeschilder. Die Übernachtungszahlen sind deutlich angestiegen. Wir könnten sogar noch mehr Hotels und Gastronomiebetriebe vertragen.

Unheimlich dankbar bin ich zudem dem Freistaat Bayern, dass eines der prägendsten Bauwerke im Landkreis mit weltgeschichtlicher Bedeutung, die Cadolzburg, aus ihrem Dornröschenschlaf wachgeküsst wurde. Wir haben jetzt die modernste Burg Deutschlands mit einem Museumskonzept, das Geschichte erlebbar macht. Hinzu kommt unser Hohenzollernradweg - der erste Augmented Reality Radweg Deutschlands.

Zur Wirtschaft zählt auch die Landwirtschaft. Welche Bedeutung haben die Agrarbetriebe im Landkreis?

Eine sehr wichtige. Verbraucher kaufen immer häufiger direkt beim Produzenten ein. Wir unterstützen das seit langer Zeit mit der Initiative „Gutes aus dem Fürther Land“. Kürzlich haben wir die Direktvermarkter-Broschüre neu aufgelegt. Damit sichern wir unter anderem auch den Standort für die Landwirtschaft.

Sie sind auch Chef für gut 450 Mitarbeiter des Landratsamtes. Wie wichtig ist eine moderne Verwaltung?

Mir liegt eine moderne und bürgerfreundliche Behörde am Herzen. Darum arbeiten wir stets an unserem Serviceangebot. Es geht darum, unser Motto „LeistungsFähig. LebensFroh“. auch auf die Behörde zu übertragen. Beratungsangebote wurden ausgebaut: Online stehen immer mehr Angebote zur Verfügung. So können Termine für die KFZ-Zulassung vereinbart werden, um das Warten zu minimieren.

Die Zentralisierung des Amtes in Zirndorf ist beschlossen. Der Standort Fürth wird aufgegeben. Geplant ist ein Bürger-Service- Zentrum, in dem direkt einfache Behördengänge erledigt werden können. Auch die telefonische Beratung und Erreichbarkeit wird ausgebaut. Zugleich haben wir als Landkreis eine Vorbildfunktion: 30 Prozent des Fuhrparks bestehen bereits aus Elektro-Autos und wir wurden als familienfreundlicher Arbeitgeber zertifiziert.

Sind Ihnen die zehn Jahre auch wie zehn vorgekommen?

Ich kann es nicht glauben, dass es schon zehn Jahre sind. Ich mache meine Aufgabe unheimlich gerne für die Menschen. Es ist ein schönes Miteinander. Und wenn etwas so viel Spaß macht, dann kommt es einem auch nicht lange vor. Insofern freue ich mich auf die nächsten zehn Jahre. Ich bin unheimlich gerne für den Landkreis Fürth tätig.

Herr Landrat, vielen Dank für das Gespräch (rb).

Büro des Landrats:

Landratsamt Fürth
Im Pinderpark 2
90513 Zirndorf

Telefon: 0911 / 9773 - 1000
Telefax: 0911 / 9773 - 1012
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Telefonsprechstunde:

Dienstag, 25. September 2018,
von 16 bis 17 Uhr
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Vorsitz des Bayerischen Landkreistages

Am 19.05.2014 wurde Matthias Dießl einstimmig zum Vorsitzenden des Bayerischen Landkreistages (Bezirksverband Mittelfranken) gewählt.