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Interview mit Landrat Matthias Dießl zum 50. Geburtstag des Landkreises

Der Landkreis Fürth besteht in seiner heutigen Form, mit 14 Kommunen, seit der Gebietsform 1972. In den vergangenen 50 Jahren wurde im Landkreis viel bewegt und erlebt - ganz nach dem Landkreisslogan: Leistungsfähig. Lebensfroh. Mit dem Heimatfestival haben wir den Runden Geburtstag gefeiert und nehmen ihn zum Anlass, unseren Landrat Matthias Dießl zu fragen, was für ihn Heimat bedeutet, was ihn antreibt, Politik zu machen und was ihm dabei besonders wichtig ist.

Herr Landrat, was ist für Sie Heimat? Heimat ist dort, wo man zu Hause ist, wo man sich wohlfühlt, wo man Freunde hat, Bekannte, Erinnerungen und Erlebnisse. Dazu gehören auch Traditionen oder regionale Speisen. All das macht Heimat aus. Für mich persönlich ist es die Region, der Landkreis Fürth, wo ich geboren und aufgewachsen bin.

Hatten Sie jemals daran gedacht, diese Heimat zu verlassen? (lacht) Nun, ich hatte bei meiner Geburt ein kurzes Gastspiel im Fürther Nathan-Stift. Und ich habe für ein Praktikum ein paar Monate im Ausland verbracht. Mein Wohnsitz war aber immer in Seukendorf. Ich hatte nie den Gedanken, von hier wegzuziehen.

Sind Ihnen besondere Momente in Erinnerung geblieben? Die Hochzeit, die ich mit meiner Frau auf der Cadolzburg feiern durfte, war so ein ganz besonderer Heimat-Moment – auch als meine Kinder zur Welt gekommen sind. Und natürlich sind auch abgeschlossene, große Projekte immer ein besonderer Moment für mich.

War die Gebietsreform 1972 aus heutiger Sicht eine gute Entscheidung? Durch die 14 Städte und Gemeinden ist ein kompakter Landkreis entstanden. Alle Orte sind schnell erreichbar. Das ist sicher ein Grund, weshalb sich die Menschen, insbesondere Familien, hier so wohl fühlen. Auch politisch hat der überschaubare Landkreis seine Vorteile: Bei den Besprechungen mit den Gemeinden und Städten können alle Bürgermeisterinnen und Bürgermeister an einem Tisch sitzen und sich direkt austauschen. Nach der Reform ist ein gemeinschaftliches Selbstbewusstsein entstanden, das uns viele Vorteile gebracht hat. Wir ziehen heute im Landkreis an einem Strang.

Was macht den Landkreis noch aus? Natürlich die Traditionen und das Brauchtum. Denken wir nur mal an die Kirchweihen, die es fast in jedem Ortsteil gibt. Das ist schon etwas ganz Besonderes. Auch die vielen Ehrenamtlichen geben dem Landkreis ein freundliches Gesicht. Wir haben 52 Feuerwehren mit ca. 2000 Ehrenamtlichen. Die Feuerwehren sind für mich ein starker Ausdruck von Heimat: Wer sich hier engagiert, bringt sich direkt vor Ort ein und hilft selbstlos anderen Menschen. Wir sind auch dreimal Ort der Weltgeschichte gewesen: Wallensteins Lager, die Hohenzollern mit der Cadolzburg und das Press-Camp im Schloss Stein.

Welche Themen standen in den letzten 50 Jahren im Mittelpunkt? Nach der Gebietsreform standen vor allem Investitionen im Mittelpunkt, insbesondere in die Infrastruktur, wie den Straßenbau. Ein großes, dominierendes Thema war damals schon die Schulentwicklung mit dem Bau des Dietrich-Bonhoeffer-Gymnasiums und der Realschule in Oberasbach. Danach wurden zwei weitere Gymnasien gebaut. Das Thema Bildung liegt mir persönlich auch sehr am Herzen: So wurde in meiner Amtszeit eine zweite Realschule gebaut, wir planen ein viertes Gymnasium und die vorhandenen Schulen wurden generalsaniert. Ein Meilenstein in der Geschichte des Landkreises war sicherlich auch der Bau des Landratsamtes in Zirndorf. Nun ist dort eine Erweiterung in Planung, um die gesamte Behörde von Fürth nach Zirndorf zu verlagern. Das ist auch ein Zeichen von Emanzipation. In den 1990er-Jahren war der Landkreis einer der höchst verschuldeten Landkreise in Bayern. Hier schaffte meine Vorgängerin Dr. Gabriele Pauli die Trendwende, auf der ich dann weiter aufbauen konnte. Wir haben heute einen sehr niedrigen Schuldenstand. Deshalb können wir in die Zukunft unserer Heimat investieren.

Sie setzen sich seit Jahren stark für eine nachhaltige Politik ein, weshalb? Wenn wir von Heimat reden, dann müssen wir auch immer daran denken, dass wir mit unserem Handeln möglicherweise unsere und die Heimat von anderen Menschen, fern von uns, in Gefahr bringen. Ein Stichwort ist der Klimawandel, ein anderes die gerechte Bezahlung für Arbeit. In der Metropolregion waren wir der erste zertifizierte Fair Trade-Landkreis. Alle politischen Entscheidungen prüfen wir auf Nachhaltigkeit. Bei Neuanschaffungen werden faire Einkaufsmöglichkeiten berücksichtigt. Jeder kann mit seinem Verhalten dazu beitragen, dass unsere Heimat liebens- und lebenswert bleibt und wir Menschen in anderen Ländern nicht ausbeuten. So lassen sich viele Produkte von regionalen Herstellern, wie Landwirten, kaufen. Und was man bei uns vor Ort oder in Europa nicht bekommt, sollte man aus fairem Handel erwerben.

Der Landkreis ist mittlerweile auch Heimat für Tagesausflügler und Touristen geworden – ist das eine gute Entwicklung? Uns ist es gelungen, die Vorzüge unseres Landkreises auch für Freizeit, Naherholung und Tourismus deutlich herauszuarbeiten. Zum einen haben wir das Glück, dass zum Beispiel große Einrichtungen wie der Playmobil Fun Park oder auch das Palm Beach bei uns beheimatet sind – beide Attraktionen haben eine hohe Anziehungskraft. Zum anderen haben wir es geschafft, mit Kampagnen und Broschüren herauszustellen, wie schön es bei uns ist. Ja, das ist eine gute Entwicklung.

Wie sollte der Landkreis beim nächsten Jubiläum, in 25 Jahren, aussehen? Wenn wir das wirtschaftliche Niveau und den Wohlstand, den wir heute haben, auch in 25 Jahren haben, dann könnten wir zufrieden sein. In 25 Jahren sollte auch der Bildungsstandort weiter ausgebaut sein – vielleicht ist bis dahin neben dem geplanten vierten Gymnasium sogar noch eine weitere Schule dazugekommen. Großartig wäre es, einen Ableger einer Hochschule bei uns im Landkreis zu haben – immerhin haben wir zwei Unis und eine Technische Hochschule in unserer Nähe.

Das Landkreismotto lautet „LeistungsFähig. LebensFroh.“ Was steckt dahinter? Wer genau auf die Schreibweise achtet, merkt bereits, dass in beiden Schlagworten die Buchstaben L und F großgeschrieben werden – diese stehen für Landkreis Fürth. Und das Motto „LeistungsFähig. LebensFroh.“ bringt wunderbar zum Ausdruck, dass wir eine leistungsfähige Region sind, aber es auch verstehen, das Leben zu genießen. Letzteres kommt mit über 800 Vereinen zum Ausdruck, mit Festen, Kulturveranstaltungen und vielem mehr. Aber auch die Behörde Landratsamt versteht sich als leistungsfähige Behörde, die für die Menschen da ist, für faire und gerechte Rahmenbedingungen sorgt, und sehr gute Dienstleistungen erbringen will.

Das Jubiläum wird mit einem Heimatfestival ein ganzes Wochenende lang gefeiert – was gab den Ausschlag dazu? Mit Unterstützung des Freistaates Bayern haben wir über das Programm Regionale Identität die Möglichkeit gehabt, uns mit dem Thema Heimat zwei Jahre lang intensiv zu beschäftigen. Das haben wir zum Beispiel mit einem Heimat-Podcast gemacht. Dabei haben Menschen und Unternehmer von ihrer Heimat Landkreis Fürth erzählt. Auch in den sozialen Medien haben wir unsere Heimat mit Fotos und Beiträgen aufgegriffen. So kam die Idee auf, alles gesammelt bei einem Heimatfestival zu präsentieren – und natürlich, weil wir unsere schöne Heimat gebührend feiern wollen. Das Festival rundet unser Jubiläum ab. Vor allem wollen wir alle miteinander feiern.

Sie haben einen Wunsch frei – was wünschen Sie sich zum 50. Geburtstag des Landkreises? Der größte Wunsch bleibt die Gesundheit, dass wir hoffentlich alle lange gesund sind und gesund leben können – und damit viel Zeit und Freude miteinander haben.

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Vorsitz des Bayerischen Landkreistages

Am 19.05.2014 wurde Matthias Dießl einstimmig zum Vorsitzenden des Bayerischen Landkreistages (Bezirksverband Mittelfranken) gewählt.

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