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Bernd Obst 100 Tage im Amt: „Auch als Landrat ist man nur ein Mensch”

Seit 10. April 2024 ist der neue Landrat Bernd Obst 100 Tage im Amt. Es liegen bereits turbulente Tage hinter ihm. Etliche Entscheidungen von großer Tragweite waren in den ersten Wochen notwendig. Wir haben uns mit Bernd Obst unterhalten, wie er die ersten 100 Tage erlebt hat und wie er in die Zukunft blickt.

Herr Obst, nach dem Feiertag starteten Sie am 2. Januar 2024 ins neue Amt? Wie war denn der erste Tag?

Ich bin mit vollem Elan ins Landratsamt Zirndorf gefahren und war gespannt, was mich alles erwartet. Aber natürlich waren am 2. Januar viele Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter noch im Urlaub. Es war alles neu. Es gab vor allem viele Programme auf meinem Computer, die ich so noch nicht kannte. Da wurde mir bewusst, wie weit die Digitalisierung im Landratsamt schon vorangeschritten ist.

Neu war für mich auch, dass man als Landrat sehr viel mit Laptop und Handy unterwegs arbeitet, vor allem im Auto. Als Bürgermeister hat man auch sehr viele Termine, aber als Landrat ist man tatsächlich noch einmal deutlich mehr unterwegs – nicht selten von frühmorgens bis spät in die Abendstunden. Deshalb bin ich froh, dass ich bei Bedarf Zugriff auf einen Fahrer habe, denn das Auto ist in der Tat das mobile Büro, in dem ganz viele Dinge erledigt werden. Das alles war schon eine große Umstellung für mich.

Wie haben die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter auf Sie reagiert?

Die Verwaltung im Landratsamt war natürlich 16 Jahre lang an einen Landrat Matthias Dießl gewohnt, genauso wie im Rathaus in Cadolzburg die Verwaltung 21 Jahre lang einen Bernd Obst kannte. Von daher war es schon spannend, die Abteilungen und Sachgebiete kennenzulernen. Wir haben sehr schnell eine Personalversammlung einberufen, damit ich mich entsprechend vorstellen konnte, aber damit auch die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mit mir schnell ins Gespräch kommen. Ich wurde sehr herzlich aufgenommen, was mich sehr freut. Es ist auf jeden Fall ein Unterschied, ob man in einer Behörde arbeitet, die wie der Landkreis Fürth rund 560 oder in einer Gemeindeverwaltung wie Cadolzburg, die 150 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter hat. Ich gebe zu: Ich weiß bis heute noch nicht alle Namen. Aber das wird sich mit der Zeit sicher ändern. 

Wie gefällt Ihnen Ihr Büro im Landratsamt?

Wir befinden uns derzeit auf einer Baustelle. Das frühere Büro des Landrats gibt es nicht mehr und wurde für den Erweiterungsbau zurückgebaut. Ich arbeite derzeit in einem Übergangsbüro, das relativ klein ist. Das erfordert auch etwas Improvisationstalent. Als Bürgermeister hatte ich tatsächlich ein deutlich größeres Büro, um auch Gespräche mit mehreren Personen führen zu können. Das geht aktuell im Übergangsbüro nicht.

Welche Herausforderungen gab es in den ersten 100 Tagen?

Noch bevor ich das Amt im Januar offiziell angetreten habe, war ich bereits durch meinen Vorgänger Matthias Dießl in die Haushaltsvorbesprechungen eingebunden und wurde dabei mit der Tatsache konfrontiert, dass in unserem Haushalt für das Jahr 2024 eine riesige Deckungslücke vorhanden war. Um diese zu schließen, war anfangs eine Anhebung der Kreisumlage um fünf Prozentpunkte im Raum gestanden. Es folgten sehr viele Gespräche mit dem Kreiskämmerer und den Abteilungs- und Sachgebietsleitungen, um Einsparungen zu finden. Wir haben alle Positionen intensiv unter die Lupe genommen. 

Am Ende ging es dann um eine Anhebung der Kreisumlage um vier Prozentpunkte. Auch das war keine schöne Nachricht, die ich als neuer Landrat den Bürgermeisterinnen und Bürgermeistern sowie den Kreistagsmitgliedern überbringen musste. Ich bin dennoch froh, dass es sehr viel Verständnis bei den Haushaltsberatungen gab und der Haushalt letztlich auch mit einer sehr großen Mehrheit verabschiedet werden konnte.

Eine weitere große Herausforderung war der Erweiterungsbau für unser Landratsamt in Zirndorf. Als die Bauarbeiten bereits voll im Gange waren, erhielten wir die Nachricht, dass Madeleine insolvent ist und das Gebäude der WBG Zirndorf, in dem die Firma Hauptmieter war, zum Verkauf steht. Ein solches Angebot muss man natürlich genau prüfen, da sich nun für uns als Landratsamt ganz neue Optionen ergeben.

In einer Sondersitzung des Kreistages wurde entschieden, dass wir das Gebäude erwerben wollen und dort die Erweiterung stattfinden soll. Die Erweiterung am Bestandsgebäude soll dagegen wesentlich kleiner ausfallen. Ich denke, es wäre fahrlässig gewesen, wenn wir diese Neubewertung nicht gemacht hätten. Nicht vergessen darf man dabei, dass wir durch die vorhandenen Mieter im WBG-Gebäude auch Einnahmen erzielen werden und zugleich die räumliche Entwicklung der Verwaltung für die Zukunft gesichert ist. Das Jahr begann also gleich mit zwei Paukenschlägen, die auch für die Verwaltung sehr viel Arbeit bedeuten.

Die Arbeit als Landrat macht aber dennoch Freude?

Es fühlt sich wirklich sehr gut an, ich freue mich jeden Tag vor allem auf den Kontakt mit den Menschen im Landkreis. Das sind für mich immer die schönsten Termine. Als Bürgermeister muss man oft eine ganze Reihe von Dingen selbst entscheiden und fragt sich dann, ob man das Richtige getan hat. Als Landrat muss man noch mehr Entscheidungen treffen, hat aber Zugriff auf ganz viele Expertinnen und Experten aus den Abteilungen und Sachgebieten sowie die juristischen Staatsbeamten, vor allem auch bei rechtlichen Dingen. Das erleichtert die Arbeit.

Wie wurden Sie von den Bürgermeisterinnen und Bürgermeistern im Landkreis aufgenommen?

Der Vorteil ist, dass ich über 21 Jahre selbst Bürgermeister war und damit neben Leonhard Eder aus Tuchenbach einer der dienstältesten. Wir kennen uns untereinander, ich bin mit allen per Du. Aber klar, es ist ungewohnt, jetzt den Hut des Landrats aufzuhaben. Das wurde mir ganz besonders bei der Vorstellung des Kreishaushalts bewusst. Hier musste ich natürlich als Landrat für das Zahlenwerk des Landkreises einstehen und nicht mehr den Blickwinkel des Bürgermeisters haben, was anfangs durchaus schwierig war.

Aber letztlich investieren wir als Kreis für die Leistungen, die wir unseren Bürgerinnen und Bürgern vor Ort in den jeweiligen Kommunen unmittelbar zur Verfügung stellen – angefangen bei den Wertstoffhöfen, über die Schulen bis hin zu den Sozialleistungen, die seit Jahren massiv ansteigen. Mir ist ein Miteinander mit den Kommunen im Kreis äußerst wichtig, das habe ich auch zum Ausdruck gebracht.

Blicken wir in die Zukunft, welche Herausforderungen kommen bald auf Sie zu?

Der Landkreis investiert in den kommenden Jahren hohe Millionensummen in die Schulen. Für uns ist ganz klar, dass wir bei steigenden Schülerzahlen keine Container oder Raummodule auf Dauer aufstellen wollen. Deshalb wollen wir ein viertes Gymnasium in Cadolzburg bauen, deshalb wollen wir die Realschule Langenzenn an einem neuen Standort größer bauen und deshalb sanieren wir auch das Gymnasium in Langenzenn sowie die Schulturnhallen aufwändig in den kommenden Jahren. Wir können das natürlich nicht alles auf einmal schultern. Deshalb will ich eine Priorisierung auf den Weg bringen und mit dem Kreistag abstimmen. Das wird die kommenden Monate prägen, damit wir am Ende einen sehr genauen Plan haben, wie und wann wir die Maßnahmen umsetzen. Eine sinnvolle Reihenfolge spart auch Kosten.

Ein weiteres wichtiges Thema ist für mich der Radschnellweg auf der ehemaligen Bibertbahn-Trasse nach Nürnberg zur geplanten U-Bahn Haltestelle in Gebersdorf. Der muss weiter Fahrt aufnehmen, damit wir bald den Startschuss feiern können. Auch hier habe ich bereits Gespräche unter anderem mit dem Staatlichen Bauamt geführt.

Eine große Herausforderung bleibt der soziale Bereich, weil die Kosten immer weiter nach oben gehen. Auf der einen Seite ist es sehr interessant zu sehen, was sich der Staat in diesem Bereich alles als Hilfe für seine Bürgerinnen und Bürger leistet. Auf der anderen Seite ist es erschreckend, dass die Fallzahlen unaufhaltsam weiter nach oben gehen und immer mehr Hilfen notwendig sind für Menschen, die mit ihrem eigenen Leben nicht mehr zurechtkommen.

Letztlich sind das alles Aufgaben, die auf Gesetzen beruhen. Der Landkreis hat diese Aufgaben zu erfüllen und kann hier kaum bis gar nichts beeinflussen. Mehr Fallzahlen bedeuten mehr Personalbedarf und mehr Ausgaben. Man muss wissen, dass auch all dies unmittelbare Auswirkungen auf die Kreisumlage hat.

Stehen Sie auch mit den Unternehmen im Landkreis in Kontakt?

Wie mein Vorgänger besuche auch ich regelmäßig Firmen im Landkreis, um zu erfahren, wie es den Unternehmen geht, welche Wünsche oder Probleme sie haben. Das ist mir enorm wichtig. Dabei hat für mich auch die heimische Landwirtschaft als Teil der Wirtschaft einen hohen Stellenwert.

Auch die Regionalinitiative „Gutes aus dem Fürther Land” wird natürlich fortgeführt. Regionale Produkte stehen hoch im Kurs, das unterstützen wir als Landkreis gerne. Und da liegen auch unsere Stärken. Ich will generell nahe an den Menschen sein und das gilt eben auch für unsere regionale Wirtschaft und Landwirtschaft.

Angesichts vieler weltweiter Krisen: Blicken Sie sorgenvoll in die Zukunft?

Unser Haushalt 2024 hat gezeigt, dass wir eine Zeitenwende haben. Auch der Haushalt 2025 wird sicher von Einsparungen geprägt sein. Ich denke, es wird Aufgabe der Kommunalpolitik sein, den Menschen zu erklären, dass das Eine oder Andere so in der Zukunft nicht mehr gehen oder nicht mehr so schnell gehen wird.

Natürlich würde auch ich gerne ein noch effizienteres Angebot an Bussen haben, aber wenn keine Gegenfinanzierungen von Bund und Land kommen, können wir das vor Ort nicht leisten. Das Defizit im Öffentlichen Personennahverkehr liegt im Landkreis jetzt schon bei rund sieben Millionen Euro jährlich. Und ja – auch die momentanen Kriegsereignisse, die die Welt erschüttern, lassen mich sorgenvoll in die Zukunft sehen. 

Was ist Ihr Fazit nach 100 Tagen im Amt?

Ich habe viele neue Menschen kennengelernt und lerne jeden Tag neue kennen. Das macht mir sehr viel Freude. Ich will das Ohr ganz nahe bei den Menschen in unserem schönen Landkreis haben. Ich bin froh, dass ich im Landratsamt gut aufgenommen wurde. Ich bin sicher anders als mein Vorgänger Matthias Dießl. Auch als Landrat ist man nur ein Mensch. Die Zeit wird nicht einfacher. Aber ich will für alle Herausforderungen gute Lösungen im Miteinander finden. Ich hoffe, das wird mir auch in der Zukunft gelingen. 

Herr Obst, vielen Dank für das Gespräch.

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Im Pinderpark 2
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