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» Es ist mir wichtig, dass sich alle Generationen in unserem schönen Landkreis wohlfühlen und er auch in Zukunft weiterhin für alle Bewohnerinnen und Bewohner attraktiv bleibt - dafür setze ich mich ein! «

Interview mit Landrat Matthias Dießl zur zweiten Amtszeit

Herr Landrat, Sie sind bei den Landratswahlen im März mit großer Mehrheit im Amt bestätigt worden. Am 1. Mai hat die neue Legislaturperiode begonnen - und damit Ihre zweite Amtszeit. Wo wollen Sie den Landkreis in den kommenden sechs Jahren hinsteuern?

Zunächst einmal möchte ich mich bei den Bürgerinnen und Bürgern für das große Vertrauen bedanken! Ich will mich dafür einsetzen, dass der Landkreis weiterhin für alle Generationen attraktiv bleibt.
Familienfreundlichkeit ist dabei das A und O. Das heißt, wir müssen auf der einen Seite für junge Familien weiter bedarfsgerechte Angebote schaffen. Aber ebenso dürfen wir die ältere Generation nicht vergessen. Alle Generationen sollen sich bei uns wohlfühlen. Gemeinsam mit unseren Gemeinden müssen wir die Betreuungsplätze für Kinder unter drei Jahren dem Bedarf entsprechend ausbauen. Ich möchte aber auch Jung und Alt wieder mehr zusammenführen.

Da gibt es keine Patentrezepte, um das verbindende Element zu finden. Das ist eine der Herausforderungen, der ich mich stellen möchte.

Der Landkreis Fürth bewirbt sich mit seinen Gemeinden um Fördergelder der EU. Wir hoffen, dass diese genehmigt werden. Damit könnten dann weitere neue Projekte realisiert werden, unter anderem um die Generationen zu vernetzen. Jeder kann bei der Erarbeitung der Projekte mitarbeiten.

Vor welchen großen Herausforderungen steht der Landkreis in den kommenden sechs Jahren?

Wichtig ist es, auch weiterhin die Weichen richtig für eine gute Entwicklung unserer Schulen zu stellen. In diesem Jahr wird der neue Schulentwicklungsplan vorgestellt. So wie es aussieht, haben sich viele Rahmenfaktoren positiv verändert. Insbesondere haben wir mehr junge Menschen bei uns als erwartet. Das sind gute Nachrichten. Unsere Strategie, ein familienfreundlicher Landkreis zu sein, geht also auch in diesem Bereich auf.

Wir wollen das Netz im Bildungsbereich auch noch engmaschiger knüpfen. Der Landkreis hat ein Dialogforum gestartet, um das Qualitätssiegel „Bildungsregion in Bayern” zu erlangen. Dabei geht es um die Vernetzung der Bildungslandschaft - von der Kita über die Schule bis zur Ausbildungsstätte.

Wir werden uns weiter Gedanken machen müssen, wie wir den Öffentlichen Personennahverkehr sinnvoll ausbauen wollen - um gute Alternativen zum Individualverkehr zu schaffen. Kompakte Angebote machen Bus und Bahn attraktiv. Da sehe ich gute Chancen, die Mobilität weiter zu verbessern. Wir haben zum Beispiel ein Gutachten in Auftrag gegeben, inwiefern die Busse auf der Rothenburger Straße beschleunigt werden können. Die Ergebnisse dieser Untersuchung werden in Kürze zur Entscheidung vorliegen.

Das alles sind wichtige Standortfaktoren in der Zukunft. Eine wichtige Entscheidung betrifft unser Landratsamt. Wir haben in den vergangenen Jahren viel unternommen, um die Kundenfreundlichkeit weiter zu steigern. Wir müssen uns jetzt die Frage stellen, ob es sinnvoll ist, weiterhin zwei Dienstsitze zu haben - nämlich Zirndorf und Fürth. Das Amtsgebäude in Fürth ist in die Jahre gekommen und müsste demnächst saniert werden. Möglicherweise ist ein Anbau in Zirndorf aber wirtschaftlicher und sinnvoller. Eine Grundsatzentscheidung muss sicherlich in den kommenden zwei, drei Jahren im Kreistag getroffen werden.

Wir werden als Landkreis zusammen mit unseren Gemeinden auch die weiteren Entwicklungen im Zusammenhang mit der Gleichstromtrasse Ost-Süd sehr genau verfolgen. Bekanntlich hat der Landkreis gemeinsam mit allen 14 Gemeinden eine Resolution unterzeichnet und sich gegen die Trasse ausgesprochen - weil aus unserer Sicht nicht erklärt wurde, weswegen sie benötigt wird. Hier sind weitere Prüfungen und - sollten die Leitungen benötigt werden - geänderte Planungen erforderlich.

Der Landkreis Fürth erstellt aktuell ein „Integriertes Klimaschutzkonzept“. Daran beteiligen sich alle unsere Kommunen. Unter anderem soll dabei eine detaillierte Energie- und CO2-Bilanz vorgelegt werden. Grundsätzlich soll sich das Integrierte Klimaschutzkonzept auf die Erreichung der nationalen Klimaschutzziele und damit auf die Notwendigkeit, die Treibhausgase bis 2050 um 80 bis 95 Prozent zu reduzieren, hin orientieren. Es sollen in dem Konzept die dazu notwendigen Maßnahmen für die nächsten zehn bis 15 Jahre identifiziert werden.

Das Integrierte Klimaschutzkonzept hat dabei alle klimarelevanten Bereiche zu umfassen - etwa die eigenen Liegenschaften, die Straßenbeleuchtung, die privaten Haushalte und die Bereiche Gewerbe, Handel und Dienstleistungen, Industrie, Verkehr, sowie Abwasser und Abfall.

Gibt es weitere bauliche Schwerpunkte?

Auch hier wird ein Schwerpunkt bei unseren Schulen liegen. Die Realschule in Zirndorf und die Förderschule in Cadolzburg werden jeweils eine eigene Mensa erhalten und Räume für die Ganztagsschule. Die millionenschwere Generalsanierung des Dietrich-Bonhoeffer Gymnasiums kommt in die Schlussphase. Danach werden wir mit der Sanierung des Gymnasiums in Stein beginnen. Der Umbau der Landwirtschaftsschule, deren Träger der Landkreis ist, und des Amtes für Landwirtschaft in Fürth steht ebenfalls bald vor dem Abschluss.

Im Straßenbaubereich werden wir weiter unsere Straßenbauprogramm abarbeiten und natürlich jährlich fortschreiben - hier liegt neben der Erhöhung der Verkehrssicherheit unser Augenmerk auch auf neuen Radwegen. Wir wollen ein fahrradfreundlicher Landkreis sein!

Weshalb ist der Ausbau des Radwegenetzes eigentlich so wichtig?

Gerade unsere Familien schätzen die Radwege - das gehört mit zur Familienfreundlichkeit und bedeutet auch Barrierefreiheit. Andererseits sind wir mittlerweile eine beliebte Naherholungsregion geworden. Unser Regionalmanagement hat dazu viel beigetragen - beispielsweise mit neuen Broschüren. Davon profitieren letztendlich auch wieder die Geschäfte vor Ort, weil mehr Kaufkraft in die Region kommt.

Bis 2017 wird die Cadolzburg zur Erlebnisburg umgebaut sein. Wir bekommen dann einen weiteren Besuchermagneten in den Landkreis. Der Umbau der Burg beschäftigt uns seit Jahrzehnten und kommt nun also sehr bald zu einem erfolgreichen Ende. Hier zeigt es sich, dass sich Hartnäckigkeit bezahlt macht.

Andere Landkreise in Bayern leiden derzeit unter schwindenden Einwohnerzahlen und haben kaum Gestaltungsspielräume. Der Landkreis Fürth ist eine beliebte Zuzugsregion. Fällt es da leichter, Ideen zu verwirklichen?

Grundsätzlich ja. Man muss aber immer achtgeben, dass sich dieser erfreuliche Trend nicht verändert. Und da müssen alle zusammenarbeiten: der Landkreis Fürth und die Gemeinden vor Ort. Ich will die positive Einwohnerentwicklung im Landkreis nutzen. Und dabei werden - wie schon in meiner ersten Amtszeit - Netzwerke wieder eine sehr zentrale Rolle spielen. Man muss sich gegenseitig kennen, damit sich Synergien ergeben und gemeinsam Dinge vorangebracht werden können.

Mss der Landkreis noch mehr tun, um die Familien, die in den Landkreis ziehen, stärker zu integrieren?

Große Integrationsprobleme haben wir zwar noch nicht identifiziert. Aber gerade wenn man eine Zuzugsregion ist, bedeutet dies, dass auch mehr Menschen mit Migrationshintergrund zu uns kommen werden. Darauf bereiten wir uns vor. Wir haben bereits eine Bedarfsanalyse durchgeführt und bestimmen im Landratsamt eine Integrationsbeauftragte oder einen Integrationsbefauftragten.

Sie haben in Ihrer ersten Amtszeit regelmäßig Unternehmen besucht und hatten für die Anliegen der Wirtschaft immer ein offenes Ohr. Werden Sie dies so beibehalten?

Dieser enge Kontakt hat sich bewährt, so dass ich neben den Firmenbesuchen auch die Wirtschaftskreise fortsetzen werde. Wir entwickeln derzeit gemeinsam mit der IHK ein Zukunftsleitbild. Ich würde mich sehr freuen, wenn es gelingt, eine hochschulnahe Einrichtung in den Landkreis zu holen. Davon würden unsere Unternehmen und unsere Bildungslandschaft sicherlich profitieren - denn Fachkräfte vor Ort werden immer wichtiger.

Die meisten Entscheidungen werden Im Kreistag getroffen. Dort hat es einen Umbruch gegeben. Fast ein Drittel der Kreisräte ist - überwiegend aus Altersgründen - ausgeschieden. Es gibt nun 23 Kreisräte, die erstmals in dem Gremium sitzen.

Macht es das einfacher oder schwieriger?

Ich freue mich auf die Zusammenarbeit mit den Kreisgremien. Mir ist es wichtig, gemeinsam Zukunft zu gestalten. Wenn es nun eine Reihe neuer Kreisräte gibt, bedeutet dies vielleicht auch, dass manche Themen von einer neuen Seite diskutiert werden. Ich hoffe, dass sich viele Kreisräte engagiert einbringen. Ich lade jedenfalls herzlich dazu ein.

Herr Landrat, vielen Dank für diese Informationen und viel Erfolg für die neue Amtszeit.

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Im Pinderpark 2
90513 Zirndorf

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Dienstag, 30. Mai 2017,
von 16 bis 17 Uhr
Telefon: 0911 / 9773 - 1001

Vorsitz des Bayerischen Landkreistages

Am 19.05.2014 wurde Matthias Dießl einstimmig zum Vorsitzenden des Bayerischen Landkreistages (Bezirksverband Mittelfranken) gewählt.